Philipp Steuer

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Social Media

Diese 4 sozialen Netzwerke nutzt eine 14 Jährige wirklich

Es wird ja immer viel über das Nutzerverhalten der Generation Y und Z geschrieben. Meistens von Menschen, die wesentlich älter sind als diese Altersgruppe. Mir stellte sich hierbei die Frage, welche sozialen Netzwerke denn wirklich für diese Generation interessant sind? Dank meiner kleinen Schwester konnte ich der Sache auf den Grund gehen.

Eva ist 14 (geb. 2000, Generation Z) und besucht die 9. Klasse eines naturwissenschaftlichen Gymnasiums. Sie ist gut vernetzt, hat seit gut zwei Jahren ein Smartphone und ein Tablet. Nachfolgend findet ihr ihre Einschätzung zu den unterschiedlichen Netzwerken.



Ihre Lieblinge



WhatsApp

MacJunky-Whatsapp-iconWenig überraschend: WhatsApp ist ihre klare Nummer 1. Im Gespräch selbst vibriert ihr Handy gefühlt jede halbe Minute, weil eine neue Nachricht eintrifft. WhatsApp nutzt sie, um mit ihren Freunden zu kommunizieren. Neben Textnachrichten verschickt sie am meisten Bilder und sie mag WhatsApp lieber als z.B den Facebook Messenger, weil es einfacher gehalten ist.


Instagram

instagram_logoNeben WhatsApp steht Instagram hoch im Kurs. Täglich ist sie dort aktiv, um die Bilder in ihrer Timeline zu liken. Sie selbst postet ein paar Mal pro Woche ein Bild, je nachdem, wie es zeitlich passt. An Instagram besonders mag sie, dass es dort sehr viele schöne Bilder gibt, die oftmals sehr hochwertig inszeniert sind. Viele Follower seien ihr direkt nicht wichtig, wobei es “schon schön ist, viele Likes zu bekommen”.


YouTube

youtube_logoNatürlich darf YouTube unter den Favoriten nicht fehlen. Eva hat rund zehn YouTuber fest abonniert (alle aus dem Bereich Beauty) und schaut täglich auf der Plattform vorbei, ob diese ein neues Video veröffentlicht haben. Falls nein, verlässt sie die App wieder. Falls ja, „kann es schon mal länger werden“. Im Detail bedeutet es: Bis zu fünf Videos am Stück, danach würde es dann nur noch nerven.


Tumblr

tumblr_logoFür mich ein wenig überraschend ist die Tatsache, dass sie sehr aktiv Tumblr nutzt. In meinem Bekanntenkreis kenne ich z.B. niemanden. Auf ihrem Tumblr-Blog hingegen postet sie nur schwarz-weiß Bilder und repinnt die ähnlichen Inhalte ihrer besten Freundin. Nach einer kleinen Durststrecke ist sie aktuell wieder täglich bei Tumblr, weil es dort „so schöne Bilder gibt“ und sie diese gerne sammeln möchte.



Kennen Ja, Nutzen Nein



Twitter

twitter_logoWährend ich persönlich ja Twitter liebe, nutzt sie es gar nicht. Das hätte damit zu tun, dass sie den genauen Sinn hinter der Plattform nicht versteht, d.h. den genauen Nutzen. Sie selbst hat sich bisher auch nur wenig mit Twitter beschäftigt, was damit zu tun haben könnte, dass niemand aus ihrer Klasse dort aktiv ist. Einen eigenen Account hat sie aber dennoch.


Snapchat

snapchat_iconIch war gespannt, als ich sie auf Snapchat ansprach, schließlich wird die App seit Monaten und Woche gehyped und die Macher mit immer mehr Geld überschüttet. Überraschend: Eva nutzt Snapchat nicht, da sie die Sache mit den selbstzerstörenden Bildern eher nervig als nützlich empfindet. Für das Verschicken von Fotos nutze sie WhatsApp. Aber: In ihrer Klasse gibt es einige, die auf Snapchat aktiv sind.


Facebook

facebook_iconAuf dem führenden sozialen Netzwerk ist sie hingegen seltener. Bei den wenigen Besuchen schaut sie zwar, was ihre „Freunde“ gepostet haben, aber aktuell verlinkt sie auf Facebook lediglich ihre Freunde auf „lustigen“ Bildern oder erwähnt sie in den Kommentaren. Ich fragte sie, warum sie den Link nicht einfach den jeweiligen Freunden schickt. Sie antwortete, dass es ihr zu kompliziert sei und so schneller ging.



Der Rest



Facebook Messenger

Den Facebook Messenger nutzt sie nur, wenn WhatsApp nicht funktioniert.

Google+

Google+ hat sie noch nie benutzt und kennt auch außer mir niemanden, der es tut.

Pinterest

Für mich überraschend: Von Pinterest hat sie noch nie etwas gehört.



Zusammenfassung



Instagram, YouTube und WhatsApp – so lauten ihre persönlichen Gewinner. Dieses Ergebnis überrascht mich nicht, da bereits einige Studien dieses Nutzerverhalten bestätigen, auch in Deutschland. Facebook und Twitter hingegen sind für sie vollkommen uninteressant, von ebenfalls gehypten Diensten wie Pinterest hat sie noch nie etwas gehört. Von Snapchat hingegen sehr wohl, sodass es kein Wunder ist, dass diese App auf aktuell 19 Milliarden US-Dollar Wert geschätzt wird.

Einen Laptop besitzt Eva übrigens auch nicht mehr. Bei ihr läuft mittlerweile alles nur noch über Tablet und Smartphone. Was lernen wir daraus? Wenn wir diese junge Zielgruppe erreichen wollen, reichen Netzwerke wie Facebook oder Twitter schon lange nicht mehr aus.

(Wollt ihr ihre Meinung zu anderen sozialen Netzwerken wissen? Schreibt es mir gerne in die Kommentare, dann gibt es bald einen zweiten Teil. Als Inspiration für diesen Artikel diente der Beitrag “A Teenager’s View on Social Media” auf Medium.)

YouTube

Warum YouTuber schlechte Vorbilder sind

Passend zum Trending-Topic “Zeugnisse” heute auf Twitter las ich vor kurzem auf Instagram eine Unterhaltung zweier jugendlicher Mädchen, die davon berichteten, dass sie in der Schule bei einem Aufsatz eine 6 kassiert haben, weil sie zum Thema “Vorbilder” einen YouTuber porträtierten. YouTuber seien keine Vorbilder, hieß es. Die beiden Mädchen konnten die Argumentation und Benotung der Lehrerin natürlich nicht verstehen. Gut, tue ich auch nicht. Doch die Frage bleibt: Sind YouTuber Vorbilder?

Meine Antwort lautet: ja. Aber in einigen Fällen ziemlich schlechte.

Das klingt jetzt hart, ich weiß. Und von außerhalb der Szene noch mal ein Stück mehr. Aber meine persönlichen Erfahrungen mit den meisten Videomachern bestätigen diese Ansicht. Lasst es mich etwas differenzieren.

Respekt für die Arbeit

Jeder, der YouTube mit einem ehrgeizigen Ziel betreibt, hat zunächst Respekt verdient. Ganz egal ob er davon leben kann oder nicht. Es steckt eine Menge Arbeit hinter der Videoproduktion und “mal eben” vor die Kamera stellen und drei Videos drehen ist nicht drin. Auch Skripte schreiben, diese mit der richtigen Technik umsetzen, die Videos schneiden, hochladen und und und. Das gehört alles dazu und in dieser Hinsicht sind sie Vorbilder, ja.

Fehlende Medienkompetenz

Wäre da nicht das große ABER. Viele YouTuber sind sich ihrer Reichweite und ihren Einfluss auf die junge Zielgruppe nicht bewusst. Eine leichtsinnige Aussage über die eigenen politischen Präferenzen kann auch – selbst wenn sich die Meinung geändert hat – dazu führen, dass man eben diese Aussage um die Ohren geschmissen bekommt. Das hat Jan Böhmermann bereits ausreichend und für den ein oder anderen vielleicht etwas zu fies am lebenden Beispiel eines bekannten Let’s Players demonstriert.

Klicks > Zukunft

Aber gut. Fehlende Medienkompetenz kann man lernen. Womit wir beim nächsten Thema sind. Schule und Ausbildung. Ich weiß, das klingt total spießig, aber ja, Bildung ist in Deutschland extrem wichtig. Wenn möglich, sollte sich jeder Schüler bemühen, das Abitur zu schaffen. Oder alternativ eine Ausbildung beginnen. Wieso ich das anspreche? Nun, manche YouTuber besitzen teilweise das Abitur, die meisten haben aber weder Ausbildung noch Studium begonnen. Oftmals wegen YouTube und weil sie sich auf die Videos konzentrieren möchten.

Und das ist für mich ein großer Fehler. Natürlich gibt es da die Fälle, bei denen es sich gelohnt hat, alles auf eine Karte zu setzen. Diese winzig kleine Personengruppe verdient problemlos 30.000 Euro im Monat. Aber was ist, wenn sie das Geld nicht intelligent anlegen? Und was ist mit dem Rest? Diejenigen, die gerade so über die Runden kommen?

Was wäre, wenn..?

Ich habe mich viel mit der Frage beschäftigt. Machen wir ein Gedankenspiel: was wäre, wenn das Internet von heute auf morgen zusammenbricht? Was genau haben die genannten YouTuber dann für eine Grundlage? Richtig: keine! Mir ist bewusst, dass dieser technische Fall wohl so schnell nicht eintreffen wird. Aber es zeigt einfach, wie abhängig diejenigen von der Plattform sind.

Spinnen wir noch ein bisschen rum. Aus welchen Grund auch immer, muss sich eine Person, die sich bisher nur auf YouTube verlassen hat, plötzlich einen neuen Job suchen. Im Bewerbungsgespräch – falls es dazu kommt – wird zunächst auf die schulische Ausbildung geschaut. Die Anzahl der Abonnenten ist hier zunächst vollkommen unwichtig.

Ich könnte an dieser Stelle noch mehr solcher Beispiele bringen und denke, meine Hauptbefürchtung ist soweit klar. Doch dann gibt es immer noch die Gruppe an Menschen, die sich Individualist nennt und eben meint, dass Bildung zwar ganz nett sei, Erfahrung aber viel viel wichtiger!

Bildung vs. Erfahrung

Grundsätzlich ist Erfahrung in meinen Augen sehr wichtig. Nach gut sechs Jahren im Berufsleben interessieren sich die wenigsten für meine Noten im Abi. Dennoch hätte ich keinen meiner bisherigen Jobs bekommen, wenn bei meiner Bewerbung das Abitur oder das abgeschlossene Studium im Lebenslauf gefehlt hätte. Das ist Fakt und hier in Deutschland wird es sich so schnell nicht ändern. Mit der Zeit wird dann jedoch die Erfahrung wichtiger. Man wird plötzlich daran gemessen, was man schon alles geleistet hat.

Doch der durchschnittliche YouTube-Zuschauer ist extrem jung. Vor ihm liegen noch Abitur, Ausbildung und Studium. Und deshalb finde ich es immer superschwierig, wenn einem die Vorbilder vorleben, wie schön und toll die ganze Welt doch ist, wenn man sich wie sie vollkommen aufs Videomachen konzentriert und sogar noch vermeintlich spielend einfach davon leben kann.

Aber nur die wenigsten können das. Deshalb mein Appell an alle, die “YouTube-Star” werden wollen: Versucht es. Macht Videos. Gebt euer Bestes. Aber vernachlässigt niemals die Schule oder die Ausbildung fürs Videomachen. Denn stellt euch mal vor, das Internet würde von heute auf morgen zusammenbrechen…

Google

Google+ ist nicht tot!

Ich habe lange überlegt, ob ich mich noch mal zu diesem Thema äußern soll. Doch nachdem ich nach meiner einjährigen Google+ Pause vor zwei Wochen wieder auf dem Netzwerk zurückgekehrt bin und es seitdem einige Nachfragen von immer noch aktiven und von mir geschätzten Nutzern gibt, möchte ich in diesem Beitrag ein paar Antworten liefern und den Status Quo von Google+ definieren.

Eine Enttäuschung

Was viele interessiert ist die Frage, warum ich nach meinem Weggang bei Google auch zeitnah sämtliche Google+ Aktivitäten eingestellt habe. Direkt vorweg: Das war eine freiwillige Entscheidung von mir und nicht etwa die Folge einer – wie manche vermuteten – unschönen Trennung.

Mein Hiatus ergab sich aus dem Gefühl großer Enttäuschung. Ich ging als großer Google+ Enthusiast zu Google. Ich wollte etwas verändern. Doch ich musste feststellen, dass Google ein – Überraschung – sehr sehr technikorientiertes Unternehmen ist, bei dem die Komponente “social” nur teilweise verstanden wird.

Das wurde z.B. deutlich, als Google+ ein Muss für jeden wurde, der YouTube nutzen und dort kommentieren wollte. Menschen lassen sich ungern etwas aufzwingen. Und wenn doch, dann mit einem bitteren Nachgeschmack.

All die Besonderheiten von Google, wie z.B. das Autorenbild in der Google Suche, wurden am Ende wieder gekippt. Der Weggang von Ex-Google+ Papa Vic Gundotra war für mich dann DAS endgültige Zeichen, dass der Kurs intern geändert wird. Vic war für mich die einzige Person innerhalb der Mauern, die das Netzwerk zum Durchbruch verhelfen hätte können. Hätte hätte hätte. Ein gutes Bild über die Situation gibt auch Ex-Google+Designer Chris Messina, den ich in vielen Punkten verstehen kann.

So ist es nicht verwunderlich, dass ich bei meiner Google+ Rückkehr schnell feststellen durfte, dass sich wenig an Google+ geändert hat. Für ein Unternehmen, das den Weltraum erobern will, keine gute Leistung.

Google kann nicht Social

Die Frage ist: Wieso geht es mit Google+ nicht voran? Meine Antwort: Google kann kein social. Das haben sie noch nie gekonnt, was auch überhaupt nicht schlimm ist, da man im technischen Bereich Branchenprimus ist. Es ist so ein bisschen vergleichbar wie ein Roboter, dem man versucht, Emotionen beizubringen. Das klappt sicher irgendwie, aber eben nicht zu 100 Prozent authentisch.

Google+ ist in meinen Augen zu spät gestartet und man ist so zwischen die Fronten von Facebook, Twitter und Instagram geraten. Alle Konkurrenzplattformen werden deutlich aktiver genutzt.

Woran liegt es? Nun, nach wie vor fehlt der Grund für die Masse, Google+ zu nutzen. Es gibt keine Funktion, die Millionen Menschen dazu bewegen würde, wirklich dauerhaft aktiv auf der Plattform zu bleiben.

Fotos? Instagram. Videos? YouTube. News? Twitter. Freunde? Facebook.

Oh, was ist mit Hangouts? Stimmt. Guter Punkt. Aber: Die jüngere Generation klebt aktuell auf der Live-Stream-Plattform YouNow. Die ist zwar extrem hässlich und bietet in keinster Weise die wunderschönen Hangout-Funktionen, aber: Sämtliche großen YouTuber nutzen sie und locken so die Fans an. Hangouts hingegen sind bei den Videomachern komplett vom Tisch.

Somit bleibt kein USP mehr für Google+ übrig. Zudem scheint auch der Trend vom Omni-Netzwerk eher weg und hin zur Ein-Service-Plattform zu gehen.

Google+ ist nicht tot!

Und dennoch lautet meine Antwort auf die – teilweise – gehässige Frage von Freunden, ob Google+ endlich tot sei nach wie vor Nein! StudiVZ ist tot, ja! Aber Google+ lebt immer noch und zahlreiche User posten weiterhin täglich Beiträge. Eine Seite ist erst tot, wenn sie keiner mehr nutzt. Und das ist bei Google+ nicht der Fall.

Deshalb empfehle ich auch Bekannten nach wie vor, das Netzwerk für sich auszuprobieren und den ganzen Spekulationen kein Gehör zu schenken. Wenn es dort gleich gesinnte und interessante Menschen gibt, mit denen man super schreiben und diskutieren kann, dann macht Google+ definitiv Sinn und es ist definitiv keine verschenkte Zeit. Gleiches gilt für Unternehmen, die sich die platte Frage stellen, ob sich Google+ wirklich lohnt. Wenn eine Kundenbasis da ist, die auf Google+ mit der eigenen Marke in Kontakt treten möchte, dann wäre man als Unternehmen blöd, dieses Potential nicht zu nutzen.

Schauen wir in die Zauberkugel, dann ist es fraglich, ob Google+ noch jahrelang bestehen wird. Google ist bekannt dafür, schlecht laufende Produkte von heute auf morgen einzustellen. Ich für meinen Teil möchte Google+ aufgrund meiner persönlichen Erfahrungen definitiv nicht missen wollen und freue mich auf weitere spannende Zeiten.

P.S. Mein +1 Tattoo habe ich noch. Und bin stolz darauf.

YouTube

Langweiliges YouTube – Warum der Einheitsbrei regiert

Hey YouTube. Wir haben ein Problem. Es ist ja nicht so, dass ich dich nicht lieben würde. Aber in letzter Zeit langweilst du mich. Egal welcher Tag auch ist, du kommst immer mit demselben Kram um die Ecke.

Was soll das?

So oder so ähnlich lässt sich die aktuelle Situation von YouTube Deutschland in meinen Augen beschreiben. Schon seit einigen Monaten hat sich das Videoangebot festgefahren, sodass du jeden Tag die gleichen Genres bewundern kannst / darfst / musst.

Um das festzustellen, reicht ein Blick auf die “YouTube Startseite”. Dort findet man die gerade beliebtesten Videos. Mit einem Klick kommt man zur offiziellen Playlist mit dem Namen “Jetzt gerade beliebt – Deutschland“, die laut Beschreibung folgenden Content enthält: “Hier kannst du erfahren, welche Inhalte auf YouTube derzeit besonders beliebt sind. – Deutschland”.

Als ich die Seite vor einer Woche aufrief, sah die Top 15 der “derzeit beliebten Inhalte” wie folgt aus:

Let’s Play. Let’s Play. Vlog. Comedy. Let’s Play. Kommentierte News. Let’s Play. Vlog. Vlog. Vlog. Let’s Play. Fakten. Let’s Play. Vlog. Let’s Play.

Ab und zu sind hier auch ein paar Ausreißer dabei, aber die Top-Liste wird immer von Let’s Plays und Vlogs dominiert, ab und zu mischt sich ein Comedy-Video dazwischen. Doch wieso ist das so?

Die Macht der Let’s Plays

Let’s Play bezeichnet das Vorführen und Kommentieren des Spielens eines Computerspiels. So lautet die offizielle Definition des Genres bei Wikipedia. Heißt in der Praxis: Millionen von Menschen filmen sich dabei, wie sie ein x-beliebiges Videospiel spielen. Der weltweit größte “YouTuber” PewDiePie erreicht damit monatlich rund 34 Millionen Abonnenten.

YouTube liebt Let’s Plays ebenfalls und bevorzugt diesen Videoinhalt, denn: Das Hauptziel der Plattform ist es, den Zuschauer so lange wie möglich bei sich zu halten. Je mehr Minuten er auf YouTube verbringt, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass er mehr Videos anklickt und so eben auch mehr Werbung sieht. Das Werbegeschäft lohnt sich für Google-Tochter YouTube extrem, im deutschen Raum streicht man alleine 45 Prozent aller Werbeeinnahmen ein.

So verwundert es nicht, dass Let’s Plays mit einer durchschnittlichen Videolänge von +10 Minuten dadurch gegenüber Comedy-Videos im Vorteil sind und dementsprechend eher von YouTube vorgeschlagen werden.

Zudem haben Let’s Plays den Vorteil für die Videomacher, diese relativ “schnell” produzieren zu können. Aus einer Stunde Gaming kann man im Idealfall drei Folgen schneiden. Durch diese Entwicklung haben manche erfolgreiche Videomacher ihren eigentlichen Kanal hingeschmissen und stattdessen einen Let’s Play Kanal gestartet. Allein in Deutschland verdienen die führenden Kanäle so bis zu 50.000 Euro im Monat brutto. Okay, davon müssen noch die Steuern etc. abgezogen werden.

Vlog: Einblicke ins Leben anderer

Neben den Let’s Plays haben sich Vlogs Stück für Stück nach oben gekämpft und sind aus der aktuellen YouTube-Landschaft kaum noch wegzudenken. Vlogs sind “einfache” Videos, meist aus der Hand gefilmt, in denen der Protagonist über sein Leben erzählt. Das kann mitunter spannend sein, meistens ist es aber eher “leichte” Kost. Auch hier gibt es ähnlich wie bei den Let’s Plays wieder Topverdiener mit mehr als 1.5 Millionen Abonnenten und +22 Millionen Aufrufen pro Monat.

Was die Vlogs so populär macht ist die Tatsache, dass sich der Zuschauer seinem “Star” sehr nah und teilweise auch als beste Freundin / bester Freund fühlt. Nicht verwunderlich, schließlich erfährt man teilweise fast jeden Tag, was den Menschen dort auf YouTube so bewegt, was er macht und wo er hin will. Das Vorhaben, sich die Haare zu färben, kann so ganz schnell einen Hype auslösen.

Einige Netzwerke haben den Trend Vlogs bereits seit Längerem erkannt und züchten sich Retortentuber. Die werden nach typischen Bobyband/Girlband-Kritierien ausgewählt, durch bestehende und inhaltlich passende Kanäle geschliffen, um die Person als Marke möglichst schnell hochzuziehen. Mit Erfolg: Der Zuschauer merkt es nicht und empfindet den neuen Mitspieler als Freund der bestehenden Clique, statt als bewusstes Marketingvorhaben.

Comedy, News und Beautyroutinen

Neben den beiden großen Genres gibt es natürlich noch weitere, in denen jedoch nur vereinzelt wirklich Einzelkünstler/gruppen hervorstechen. Auch der ganze Beautysektor ist für junge Mädchen sehr sehr spannend. Jedes Mal, wenn ich meine Eltern besuche, spreche ich mit meiner 14 jährigen Schwester darüber. Sie liebt es, anderen Mädchen beim Schminken zuzusehen UND – dieser Punkt deckt sich mit der Attraktivität der Vlogs – mehr über das Leben der sich schminkenden Person zu erfahren.

Eine Entwicklung in die falsche Richtung

Zum jetzigen Zeitpunkt sehe ich die inhaltliche Entwicklung auf YouTube Deutschland kritisch. Die neue Generation richtet sich – teilweise geblendet vom Erfolg der Vorbilder – zu sehr an den vorgegebenen Content, ohne sich wirklich an neuen Inhalten zu versuchen. Das ist auch irgendwo verständlich, schließlich kann man so schon mal das Große Ungewissen ausschließen und sich an Bewährten versuchen.

Dieser Artikel soll auch keine Kritik an den produzierenden Personen sein. Da ich selbst in dem Bereich arbeite, weiß ich, wie viel Aufwand und Arbeit in einem einzigen Video stecken kann. Auch haben viele der heute großen Videomacher bereits vor Jahren damit angefangen und es freut mich, dass sich die Arbeit jetzt für sie auszahlt.

Drei Wünsche für die Zukunft

Für die Zukunft hätte ich drei Wünsche, die in meinen Augen YouTube gut tun würden:

Von YouTube wünsche ich mir, dass sie die Algorithmen anpassen um so – neben den bewährten Großen – neuen und vielleicht sogar noch unbekannten Video-Produzenten eine Chance zu geben. Das wiederum würde die Szene sicherlich ankurbeln.

Von den Videomachern wünsche ich mir, dass sie mehr Mut haben, neue Formate und Ideen zu testen, auch wenn die Community nach fünf Sekunden schreit, dass damals definitiv alles besser war und man sich bitte niemals verändern möge.

Von den Zuschauern wünsche ich mir mehr Geduld bei Veränderungen und mehr Lust auf neue Inhalte. Und vor allem: Weniger “Früher-War-Alles-Besser”-Denke.

Sollten sich diese Wünsche irgendwann erfüllen, hätte ich für meinen Teil wieder richtig Spaß daran, neue Inhalte und Talente auf YouTube zu entdecken. Hoffentlich bleibt es kein Wunschdenken.

Personal / Social Media

FICK DIE KLICKS!

Was ist eigentlich nur aus dem Internet geworden? Egal wo ich mich online bewege, betteln Facebook-Seiten, Twitter-Accounts und Instagram-Selfie-Addicts nach meinem Klick. Warum der Klick aber in meinen Augen komplett überbewertet ist, möchte ich in den nachfolgenden Zeilen erläutern.

KLICK MICH AN

2014 war das Jahr der Klickgeilheit. Klicks generieren um jeden Preis. Zahlreiche Webseiten klauten virale Geschichte von amerikanischen Seiten, deutschten sie ein und verpassten dem Diebesgut noch eine reißerische Überschrift a la “Was dieser total süßen Katze passierte, treibt mir und meinem toten Hamster immer noch die Tränen in die Augen”. Okay, die war ausgedacht. Aber so ähnlich.

Risk fish

Facebook reagierte und strafte diese Masche ab, indem man Clickbaiting – als das Klickfischen – im Algorithmus schlechter bewertete und solche Inhalte seltener in der Timeline auftauchen lässt. Soweit so gut. Aber das war einfach nur die Spitze des Eisberges und zeigt, dass im Internet seit gut 20 Jahren etwas falsch läuft. Denn: Was sagt ein Klick aus? Und wieso bepimmeln sich manche, weil sie mehr Klicks haben als andere?

Ursprung der Klickgeilheit

Der Urpsrung des Ganzen soll laut diesem grandiosen Artikel im Jahre 1994 liegen. Damals – ja, da gab es schon das Internet – war ich erst vier Jahre alt, als sich Ken McCarthy mit Online-Banner-Werbung auseinandersetzte und die Click-Through-Rate als Messgröße für die Werbeleistung im Web definierte. Für alle Nicht-Marketer: Die/Der CTR gibt an, wie viele Menschen auf eine Werbung geklickt haben. Hat man 100 Personen und nur eine davon klickt den Banner an, beträgt die Klickrate 1 Prozent (Quelle: Wikipedia).

Klick = Geld

Die Klickrate ist letztendlich der Grund gewesen, wieso Unternehmen wie Google groß werden konnten und es heutzutage immer noch sind. Fast schon witzig ist dabei die Tatsache, dass sich eigentlich alles im Web in den 20 Jahren verändert hat, nur die Klicks geblieben sind.

Doch was bringen mir viele Klicks? In erster Linie Prestige. Eine Seite mit vielen Klicks oder auch Views kann sich sehr einfach vor Werbepartnern platzieren. Viele Klicks = Hohe Reichweite.

Doch laut Auswertungen von Web-Analyse-Dienst Chartbeat hat der durchschnittliche Leser im Web lediglich eine Aufmerksamkeitsspanne von 15 Sekunden. Heißt in der Praxis: Klickt er eine Seite an, geht der Klickzähler +1 nach Oben. Findet der Besucher innerhalb von 15 Sekunden nichts Interessantes, ist er weg! Dem Klickzähler ist das egal. Gleiches gilt bei der Anzahl der Unique Visitor, also den eindeutigen Besuchern.

Klicks VS. Aufmerksamkeit

Somit dürfte für jeden klar sein, dass der Klick alleine kein Gradmesser für die Qualität des Inhaltes ist. Deshalb bin ich auch fest davon überzeugt dass alle Websites, die mit klickgeilen Artikeln um sich werfen, irgendwann damit auf die Nase fallen. Denn für den Erfolg einer Website sind aktive Besucher wichtig, die wiederkommen. Die einen Autor oder eine Seite zu schätzen wissen.

Worauf sich neue Webprojekte wie Medium oder Upworthy konzentrieren, ist die Aufmerksamkeit der Leser zu bekommen, um sie möglichst lange auf der eigenen Webseite zu halten. Je länger, desto wahrscheinlicher ist es, dass derjenige zu einem festen Leser wird. Statt Klicks setzt man auf Zeit.

Zuschauerbindung bei YouTube

Diese Entwicklung hat auch YouTube beobachtet und besitzt schon seit längerem einen solchen Messwert in den eigenen Analytics, der sich auf Deutsch etwas schwer “Zuschauerbindung” nennt. Dieser gibt an, zu viel Prozent das Video von den Zuschauern gesehen wird. Alles über 60 Prozent ist dabei “gut”, je höher, desto besser. Dort kann man sich auch genau ansehen, WANN die Zuschauer aussteigen. Das gibt dann mitunter genügend Futter, um den eigenen Content zu verbessern.

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Videos mit einer hohen Zuschauerbindung sollen vom YouTube-Algorithmus bevorzugt behandelt werden. Der Grund dahinter ist klar, denn: Je länger sich ein Zuschauer ein beliebiges Video ansieht, desto länger bleibt er auf YouTube.

Übrigens: Die Klicks bei Webseiten sind vergleichbar mit den Views von YouTube Videos. Auch hier zeigt sich: Virale Videos haben oft Milionen-Views, jedoch nur eine geringe Abonnentenzahl. Diese One-Shots sind vergleichbar mit klickgeilen Artikeln. Eine gesunde Nutzer/Zuschauer-Basis sieht anders aus.

Der EINE Messwert

Die ideale Zukunft wäre natürlich, dass gute Inhalte im Web auch ihren verdienten Lohn bekommen. Heißt: Der Werberertrag müsste steigen, je länger ein Leser mit einem Artikel oder Story verbringt. Doch ist der Fokus auf die reine Zeit der richtige Ansatz? Geht es nach Buzzfeed-Chef John Perreti, dann nicht. Er sagte in einem Interview, dass wenn man sich zu sehr auf einen einzigen Messwert fokussiert, man schnell das Gegenteil erreicht. Das wird an einem Beispiel deutlich:

Messwert: Klicks
Umsetzung: Webseiten fangen an, Leute zum Klicken zu animieren.
Ergebnis: Besucher klicken mehr
Folge: Hohe Absprungrate + klickgeile Webseiten, die die User mit allen Mitteln zu sich locken wollen.

Wie ihr seht, führte die einseitige Konzentration zu zahlreichen Negativfolgen. Dieses Modell kann man u.a. auch mit Faktoren wie Zeit etc. durchspielen.

Wo geht die Reise hin?

Sicherlich wird sich zeitnah erstmal Nichts in diesem Sektor tun. Schließlich ist es auch nicht so einfach, den Faktor “Zeit” so einfach zu messen. Ebenso werden soziale Netzwerke weiter an ihrer Mitgliederzahl gemessen werden, ganz egal wie künstlich aufgebläht diese auch sind.

Ich würde mir wünschen, dass mehr Seiten dem Beispiel von Buzzfeed, Medium & Co. folgen und so den notwendigen Wandel im Web anstoßen. Denn wie Eingangs bereits gesagt: Klicks sagen nichts über die Qualität des Beitrags aus. Sie sind nur eine Zahl, die man beliebig manipulieren kann. In diesem Sinne: Fick die Klicks!

Wie siehst du dieses Thema? Ich freu mich über deine Meinung in den Kommentaren! Falls dir der Artikel gefällt, teile ihn doch gern mit deinen Freunden.

Personal / YouTube

Ein Tag im Rollstuhl – Ein Selbstexperiment

Laufen ist etwas, dass für viele Menschen selbstverständlich ist. Die nächste Bahn fällt aus? Kein Problem, dann läuft man die zwei Haltestellen eben. Doch wie gestaltet sich der Alltag für Menschen, die im Rollstuhl sitzen? Dank meiner YouTube-Tätigkeit durfte ich innerhalb eines Experimentes einen Tag lang genau dieser Erfahrung machen. Wie sich das gestaltet hat, erfahrt ihr in den nächsten Zeilen.

Das Experiment

Genau genommen lief das Experiment an einem Samstag ab. Das Wetter war sehr schlecht. 2 Grad, Regen. Ein Tag, an dem man am liebsten im Bett bleiben möchte. Ich traf mich mit dem Team von Sendertime, einem YouTube-Kanal, auf dem im Rahmen des Formates “Adventure Time” außergewöhnliche Challenges und Aufgaben absolviert & gefilmt werden.

Neben mir nahm noch Oguz von Y-Titty die Herausforderung an. Unser Coach war Jan, der selbst mit einer halbseitigen Spastik behindert und auf einer Schule ist, bei der z.B. der Sportunterricht im Rollstuhl absolviert wird.

Die Aufgabe lautete: Von Köln bis zum Schloss Brühl mit öffentlichen Verkehrsmitteln kommen (35km), ohne die Beine zu benutzen und dabei auch noch drei Aufgaben zu erfüllen. Im Detail: Geld am Bankautomaten abheben, Donuts aus dem obersten Regalfach eines Backdiscounts kaufen und in einem öffentlichen Gebäude aufs Klo “gehen”.

Ich möchte wenig von der Sendertime-Challenge inhaltlich spoilern, da gestern erst Folge 1 / 3 erschien, aber: Die Erfahrungen an diesem Tag haben mich schockiert.

Tücken des Alltags

Was für uns vollkommen normal ist, wird durch den Rollstuhl extrem kompliziert. In die Bahn-Linie 16 am Barbarossa-Platz einsteigen? Unmöglich. Schließlich kann man mit einem Rollstuhl keine Treppenstufen hochfahren. Mit über 80 Kilogramm ist die Option “Sich-Von-Anderen-Tragen-Lassen” auch keine wirkliche Möglichkeit.

wheelmap_screenshot

Also hieß es: Zur nächsten Haltestelle fahren. Diese wurde mir auf der von Raul Krauthausen entwickelten Wheelmap – einer Karte, über die man rollstuhlgerechte Orte suchen und finden kann – als grün und somit rollstuhlfreundlich gekennzeichnet. Was ich unterschätzte: Die 800 Meter “Rollweg” zwischen den Haltestellen waren ein Alptraum. Der abschüssige Gehweg zwang mich dazu, die ganze Zeit mit dem rechten Arm gegen die Rollbewegung zu arbeiten. Schon nach kurzer Zeit verließen mich die Kräfte.

Bordsteine und schlechtes Wetter

Durch den Regen war es zudem verdammt nasskalt, die Handschuhe, die ich mir mit weiser Voraussicht eingepackt hatte, konnte ich nicht nutzen, da ich so keinen Grip hatte und beim Anschieben der Räder abrutschte.

rollstuhl_bericht

Auch für uns lächerlich niedrig aussehende Bordsteine sind für Rollstuhlfahrer eine Qual. Man benötigt Kraft und genügend Schwung, über eine Ampel zu kommen. Einmal steckte ich bei einem Straßenbahnübergang zwischen den Schienen fest. Einmal in einer Pfütze.

Meine Wut wuchs von Mal zu Mal mehr an und meine Laune verschlechterte sich extrem. In vier Stunden musste ich mir fünf Mal helfen lassen, da ich es ohne fremde Hilfe nicht geschafft hätte. Diese Situationen fühlten sich für mich extrem schlimm an, da ich eigentlich ein sehr selbstständiger Mensch bin und am liebsten alles alleine mache. Auch mein geschätztes Smartphone inklusive tausender von virtuellen “Freunden” half mir in diesen Fällen überhaupt nicht.

Mensch 2. Klasse!

Mein Tagesfazit: Als Rollstuhlfahrer kam ich mir an diesem Tag wie ein Mensch 2.Klasse vor. Klar, man kommt irgendwie von A nach B. Aber selbst in so einer großer Stadt wie Köln wird dir das Leben unnötig kompliziert gemacht. Überall lauern Gefahren, Blockaden und Hindernisse, die der laufende Mensch niemals als solche sehen wird. Deshalb habe ich seitdem noch viel viel größeren Respekt vor den Menschen im Rollstuhl und ich kann nur an jeden einzelnen mit gesunden Beinen daran appellieren, dankbar für diese Freiheit zu sein und behinderten Menschen in misslichen Lagen direkt zu helfen.

Ein Zusatz noch: Die Rollstühle selbst waren “Billig-Modelle” und Jan hat mir erzählt, dass es weitaus bessere gibt, die alltagstauglicher sind. So haben diese z.B. einen Kippschutz, um eben nicht, wie bei mir, nach hinten umkippen zu können. Dadurch sind manche Situationen, die ich erlebt habe, mit einem Profi-Modell weitaus entspannter. Auch sind geübte Rollstuhlfahrer tausend Mal geschickter, als ich es als Anfänger war. Dennoch zeigt das Experiment einfach, wie wichtig es ist, behinderte Menschen in unsere Gesellschaft richtig zu inkludieren. So könnte man dann auch einen Rollstuhllift der deutschen Bahn vermeiden, der nur Montags – Freitags von 8 – 18 Uhr geöffnet hat…

Hier seht ihr, wie ich mich in der ersten Folge geschlagen habe. Die restlichen zwei kommen jeweils Freitag um 16 Uhr auf Sendertime. Ich empfehle euch an der Stelle den Kanal “SoBehindert” von Jan, schaut dort definitiv mal vorbei!

(Falls das Video mobil entsprechend angezeigt wird, bitte hier klicken.)