Philipp Steuer

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Google

Google+ ist nicht tot!

Ich habe lange überlegt, ob ich mich noch mal zu diesem Thema äußern soll. Doch nachdem ich nach meiner einjährigen Google+ Pause vor zwei Wochen wieder auf dem Netzwerk zurückgekehrt bin und es seitdem einige Nachfragen von immer noch aktiven und von mir geschätzten Nutzern gibt, möchte ich in diesem Beitrag ein paar Antworten liefern und den Status Quo von Google+ definieren.

Eine Enttäuschung

Was viele interessiert ist die Frage, warum ich nach meinem Weggang bei Google auch zeitnah sämtliche Google+ Aktivitäten eingestellt habe. Direkt vorweg: Das war eine freiwillige Entscheidung von mir und nicht etwa die Folge einer – wie manche vermuteten – unschönen Trennung.

Mein Hiatus ergab sich aus dem Gefühl großer Enttäuschung. Ich ging als großer Google+ Enthusiast zu Google. Ich wollte etwas verändern. Doch ich musste feststellen, dass Google ein – Überraschung – sehr sehr technikorientiertes Unternehmen ist, bei dem die Komponente “social” nur teilweise verstanden wird.

Das wurde z.B. deutlich, als Google+ ein Muss für jeden wurde, der YouTube nutzen und dort kommentieren wollte. Menschen lassen sich ungern etwas aufzwingen. Und wenn doch, dann mit einem bitteren Nachgeschmack.

All die Besonderheiten von Google, wie z.B. das Autorenbild in der Google Suche, wurden am Ende wieder gekippt. Der Weggang von Ex-Google+ Papa Vic Gundotra war für mich dann DAS endgültige Zeichen, dass der Kurs intern geändert wird. Vic war für mich die einzige Person innerhalb der Mauern, die das Netzwerk zum Durchbruch verhelfen hätte können. Hätte hätte hätte. Ein gutes Bild über die Situation gibt auch Ex-Google+Designer Chris Messina, den ich in vielen Punkten verstehen kann.

So ist es nicht verwunderlich, dass ich bei meiner Google+ Rückkehr schnell feststellen durfte, dass sich wenig an Google+ geändert hat. Für ein Unternehmen, das den Weltraum erobern will, keine gute Leistung.

Google kann nicht Social

Die Frage ist: Wieso geht es mit Google+ nicht voran? Meine Antwort: Google kann kein social. Das haben sie noch nie gekonnt, was auch überhaupt nicht schlimm ist, da man im technischen Bereich Branchenprimus ist. Es ist so ein bisschen vergleichbar wie ein Roboter, dem man versucht, Emotionen beizubringen. Das klappt sicher irgendwie, aber eben nicht zu 100 Prozent authentisch.

Google+ ist in meinen Augen zu spät gestartet und man ist so zwischen die Fronten von Facebook, Twitter und Instagram geraten. Alle Konkurrenzplattformen werden deutlich aktiver genutzt.

Woran liegt es? Nun, nach wie vor fehlt der Grund für die Masse, Google+ zu nutzen. Es gibt keine Funktion, die Millionen Menschen dazu bewegen würde, wirklich dauerhaft aktiv auf der Plattform zu bleiben.

Fotos? Instagram. Videos? YouTube. News? Twitter. Freunde? Facebook.

Oh, was ist mit Hangouts? Stimmt. Guter Punkt. Aber: Die jüngere Generation klebt aktuell auf der Live-Stream-Plattform YouNow. Die ist zwar extrem hässlich und bietet in keinster Weise die wunderschönen Hangout-Funktionen, aber: Sämtliche großen YouTuber nutzen sie und locken so die Fans an. Hangouts hingegen sind bei den Videomachern komplett vom Tisch.

Somit bleibt kein USP mehr für Google+ übrig. Zudem scheint auch der Trend vom Omni-Netzwerk eher weg und hin zur Ein-Service-Plattform zu gehen.

Google+ ist nicht tot!

Und dennoch lautet meine Antwort auf die – teilweise – gehässige Frage von Freunden, ob Google+ endlich tot sei nach wie vor Nein! StudiVZ ist tot, ja! Aber Google+ lebt immer noch und zahlreiche User posten weiterhin täglich Beiträge. Eine Seite ist erst tot, wenn sie keiner mehr nutzt. Und das ist bei Google+ nicht der Fall.

Deshalb empfehle ich auch Bekannten nach wie vor, das Netzwerk für sich auszuprobieren und den ganzen Spekulationen kein Gehör zu schenken. Wenn es dort gleich gesinnte und interessante Menschen gibt, mit denen man super schreiben und diskutieren kann, dann macht Google+ definitiv Sinn und es ist definitiv keine verschenkte Zeit. Gleiches gilt für Unternehmen, die sich die platte Frage stellen, ob sich Google+ wirklich lohnt. Wenn eine Kundenbasis da ist, die auf Google+ mit der eigenen Marke in Kontakt treten möchte, dann wäre man als Unternehmen blöd, dieses Potential nicht zu nutzen.

Schauen wir in die Zauberkugel, dann ist es fraglich, ob Google+ noch jahrelang bestehen wird. Google ist bekannt dafür, schlecht laufende Produkte von heute auf morgen einzustellen. Ich für meinen Teil möchte Google+ aufgrund meiner persönlichen Erfahrungen definitiv nicht missen wollen und freue mich auf weitere spannende Zeiten.

P.S. Mein +1 Tattoo habe ich noch. Und bin stolz darauf.

YouTube

Langweiliges YouTube – Warum der Einheitsbrei regiert

Hey YouTube. Wir haben ein Problem. Es ist ja nicht so, dass ich dich nicht lieben würde. Aber in letzter Zeit langweilst du mich. Egal welcher Tag auch ist, du kommst immer mit demselben Kram um die Ecke.

Was soll das?

So oder so ähnlich lässt sich die aktuelle Situation von YouTube Deutschland in meinen Augen beschreiben. Schon seit einigen Monaten hat sich das Videoangebot festgefahren, sodass du jeden Tag die gleichen Genres bewundern kannst / darfst / musst.

Um das festzustellen, reicht ein Blick auf die “YouTube Startseite”. Dort findet man die gerade beliebtesten Videos. Mit einem Klick kommt man zur offiziellen Playlist mit dem Namen “Jetzt gerade beliebt – Deutschland“, die laut Beschreibung folgenden Content enthält: “Hier kannst du erfahren, welche Inhalte auf YouTube derzeit besonders beliebt sind. – Deutschland”.

Als ich die Seite vor einer Woche aufrief, sah die Top 15 der “derzeit beliebten Inhalte” wie folgt aus:

Let’s Play. Let’s Play. Vlog. Comedy. Let’s Play. Kommentierte News. Let’s Play. Vlog. Vlog. Vlog. Let’s Play. Fakten. Let’s Play. Vlog. Let’s Play.

Ab und zu sind hier auch ein paar Ausreißer dabei, aber die Top-Liste wird immer von Let’s Plays und Vlogs dominiert, ab und zu mischt sich ein Comedy-Video dazwischen. Doch wieso ist das so?

Die Macht der Let’s Plays

Let’s Play bezeichnet das Vorführen und Kommentieren des Spielens eines Computerspiels. So lautet die offizielle Definition des Genres bei Wikipedia. Heißt in der Praxis: Millionen von Menschen filmen sich dabei, wie sie ein x-beliebiges Videospiel spielen. Der weltweit größte “YouTuber” PewDiePie erreicht damit monatlich rund 34 Millionen Abonnenten.

YouTube liebt Let’s Plays ebenfalls und bevorzugt diesen Videoinhalt, denn: Das Hauptziel der Plattform ist es, den Zuschauer so lange wie möglich bei sich zu halten. Je mehr Minuten er auf YouTube verbringt, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass er mehr Videos anklickt und so eben auch mehr Werbung sieht. Das Werbegeschäft lohnt sich für Google-Tochter YouTube extrem, im deutschen Raum streicht man alleine 45 Prozent aller Werbeeinnahmen ein.

So verwundert es nicht, dass Let’s Plays mit einer durchschnittlichen Videolänge von +10 Minuten dadurch gegenüber Comedy-Videos im Vorteil sind und dementsprechend eher von YouTube vorgeschlagen werden.

Zudem haben Let’s Plays den Vorteil für die Videomacher, diese relativ “schnell” produzieren zu können. Aus einer Stunde Gaming kann man im Idealfall drei Folgen schneiden. Durch diese Entwicklung haben manche erfolgreiche Videomacher ihren eigentlichen Kanal hingeschmissen und stattdessen einen Let’s Play Kanal gestartet. Allein in Deutschland verdienen die führenden Kanäle so bis zu 50.000 Euro im Monat brutto. Okay, davon müssen noch die Steuern etc. abgezogen werden.

Vlog: Einblicke ins Leben anderer

Neben den Let’s Plays haben sich Vlogs Stück für Stück nach oben gekämpft und sind aus der aktuellen YouTube-Landschaft kaum noch wegzudenken. Vlogs sind “einfache” Videos, meist aus der Hand gefilmt, in denen der Protagonist über sein Leben erzählt. Das kann mitunter spannend sein, meistens ist es aber eher “leichte” Kost. Auch hier gibt es ähnlich wie bei den Let’s Plays wieder Topverdiener mit mehr als 1.5 Millionen Abonnenten und +22 Millionen Aufrufen pro Monat.

Was die Vlogs so populär macht ist die Tatsache, dass sich der Zuschauer seinem “Star” sehr nah und teilweise auch als beste Freundin / bester Freund fühlt. Nicht verwunderlich, schließlich erfährt man teilweise fast jeden Tag, was den Menschen dort auf YouTube so bewegt, was er macht und wo er hin will. Das Vorhaben, sich die Haare zu färben, kann so ganz schnell einen Hype auslösen.

Einige Netzwerke haben den Trend Vlogs bereits seit Längerem erkannt und züchten sich Retortentuber. Die werden nach typischen Bobyband/Girlband-Kritierien ausgewählt, durch bestehende und inhaltlich passende Kanäle geschliffen, um die Person als Marke möglichst schnell hochzuziehen. Mit Erfolg: Der Zuschauer merkt es nicht und empfindet den neuen Mitspieler als Freund der bestehenden Clique, statt als bewusstes Marketingvorhaben.

Comedy, News und Beautyroutinen

Neben den beiden großen Genres gibt es natürlich noch weitere, in denen jedoch nur vereinzelt wirklich Einzelkünstler/gruppen hervorstechen. Auch der ganze Beautysektor ist für junge Mädchen sehr sehr spannend. Jedes Mal, wenn ich meine Eltern besuche, spreche ich mit meiner 14 jährigen Schwester darüber. Sie liebt es, anderen Mädchen beim Schminken zuzusehen UND – dieser Punkt deckt sich mit der Attraktivität der Vlogs – mehr über das Leben der sich schminkenden Person zu erfahren.

Eine Entwicklung in die falsche Richtung

Zum jetzigen Zeitpunkt sehe ich die inhaltliche Entwicklung auf YouTube Deutschland kritisch. Die neue Generation richtet sich – teilweise geblendet vom Erfolg der Vorbilder – zu sehr an den vorgegebenen Content, ohne sich wirklich an neuen Inhalten zu versuchen. Das ist auch irgendwo verständlich, schließlich kann man so schon mal das Große Ungewissen ausschließen und sich an Bewährten versuchen.

Dieser Artikel soll auch keine Kritik an den produzierenden Personen sein. Da ich selbst in dem Bereich arbeite, weiß ich, wie viel Aufwand und Arbeit in einem einzigen Video stecken kann. Auch haben viele der heute großen Videomacher bereits vor Jahren damit angefangen und es freut mich, dass sich die Arbeit jetzt für sie auszahlt.

Drei Wünsche für die Zukunft

Für die Zukunft hätte ich drei Wünsche, die in meinen Augen YouTube gut tun würden:

Von YouTube wünsche ich mir, dass sie die Algorithmen anpassen um so – neben den bewährten Großen – neuen und vielleicht sogar noch unbekannten Video-Produzenten eine Chance zu geben. Das wiederum würde die Szene sicherlich ankurbeln.

Von den Videomachern wünsche ich mir, dass sie mehr Mut haben, neue Formate und Ideen zu testen, auch wenn die Community nach fünf Sekunden schreit, dass damals definitiv alles besser war und man sich bitte niemals verändern möge.

Von den Zuschauern wünsche ich mir mehr Geduld bei Veränderungen und mehr Lust auf neue Inhalte. Und vor allem: Weniger “Früher-War-Alles-Besser”-Denke.

Sollten sich diese Wünsche irgendwann erfüllen, hätte ich für meinen Teil wieder richtig Spaß daran, neue Inhalte und Talente auf YouTube zu entdecken. Hoffentlich bleibt es kein Wunschdenken.

Personal / Social Media

FICK DIE KLICKS!

Was ist eigentlich nur aus dem Internet geworden? Egal wo ich mich online bewege, betteln Facebook-Seiten, Twitter-Accounts und Instagram-Selfie-Addicts nach meinem Klick. Warum der Klick aber in meinen Augen komplett überbewertet ist, möchte ich in den nachfolgenden Zeilen erläutern.

KLICK MICH AN

2014 war das Jahr der Klickgeilheit. Klicks generieren um jeden Preis. Zahlreiche Webseiten klauten virale Geschichte von amerikanischen Seiten, deutschten sie ein und verpassten dem Diebesgut noch eine reißerische Überschrift a la “Was dieser total süßen Katze passierte, treibt mir und meinem toten Hamster immer noch die Tränen in die Augen”. Okay, die war ausgedacht. Aber so ähnlich.

Risk fish

Facebook reagierte und strafte diese Masche ab, indem man Clickbaiting – als das Klickfischen – im Algorithmus schlechter bewertete und solche Inhalte seltener in der Timeline auftauchen lässt. Soweit so gut. Aber das war einfach nur die Spitze des Eisberges und zeigt, dass im Internet seit gut 20 Jahren etwas falsch läuft. Denn: Was sagt ein Klick aus? Und wieso bepimmeln sich manche, weil sie mehr Klicks haben als andere?

Ursprung der Klickgeilheit

Der Urpsrung des Ganzen soll laut diesem grandiosen Artikel im Jahre 1994 liegen. Damals – ja, da gab es schon das Internet – war ich erst vier Jahre alt, als sich Ken McCarthy mit Online-Banner-Werbung auseinandersetzte und die Click-Through-Rate als Messgröße für die Werbeleistung im Web definierte. Für alle Nicht-Marketer: Die/Der CTR gibt an, wie viele Menschen auf eine Werbung geklickt haben. Hat man 100 Personen und nur eine davon klickt den Banner an, beträgt die Klickrate 1 Prozent (Quelle: Wikipedia).

Klick = Geld

Die Klickrate ist letztendlich der Grund gewesen, wieso Unternehmen wie Google groß werden konnten und es heutzutage immer noch sind. Fast schon witzig ist dabei die Tatsache, dass sich eigentlich alles im Web in den 20 Jahren verändert hat, nur die Klicks geblieben sind.

Doch was bringen mir viele Klicks? In erster Linie Prestige. Eine Seite mit vielen Klicks oder auch Views kann sich sehr einfach vor Werbepartnern platzieren. Viele Klicks = Hohe Reichweite.

Doch laut Auswertungen von Web-Analyse-Dienst Chartbeat hat der durchschnittliche Leser im Web lediglich eine Aufmerksamkeitsspanne von 15 Sekunden. Heißt in der Praxis: Klickt er eine Seite an, geht der Klickzähler +1 nach Oben. Findet der Besucher innerhalb von 15 Sekunden nichts Interessantes, ist er weg! Dem Klickzähler ist das egal. Gleiches gilt bei der Anzahl der Unique Visitor, also den eindeutigen Besuchern.

Klicks VS. Aufmerksamkeit

Somit dürfte für jeden klar sein, dass der Klick alleine kein Gradmesser für die Qualität des Inhaltes ist. Deshalb bin ich auch fest davon überzeugt dass alle Websites, die mit klickgeilen Artikeln um sich werfen, irgendwann damit auf die Nase fallen. Denn für den Erfolg einer Website sind aktive Besucher wichtig, die wiederkommen. Die einen Autor oder eine Seite zu schätzen wissen.

Worauf sich neue Webprojekte wie Medium oder Upworthy konzentrieren, ist die Aufmerksamkeit der Leser zu bekommen, um sie möglichst lange auf der eigenen Webseite zu halten. Je länger, desto wahrscheinlicher ist es, dass derjenige zu einem festen Leser wird. Statt Klicks setzt man auf Zeit.

Zuschauerbindung bei YouTube

Diese Entwicklung hat auch YouTube beobachtet und besitzt schon seit längerem einen solchen Messwert in den eigenen Analytics, der sich auf Deutsch etwas schwer “Zuschauerbindung” nennt. Dieser gibt an, zu viel Prozent das Video von den Zuschauern gesehen wird. Alles über 60 Prozent ist dabei “gut”, je höher, desto besser. Dort kann man sich auch genau ansehen, WANN die Zuschauer aussteigen. Das gibt dann mitunter genügend Futter, um den eigenen Content zu verbessern.

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Videos mit einer hohen Zuschauerbindung sollen vom YouTube-Algorithmus bevorzugt behandelt werden. Der Grund dahinter ist klar, denn: Je länger sich ein Zuschauer ein beliebiges Video ansieht, desto länger bleibt er auf YouTube.

Übrigens: Die Klicks bei Webseiten sind vergleichbar mit den Views von YouTube Videos. Auch hier zeigt sich: Virale Videos haben oft Milionen-Views, jedoch nur eine geringe Abonnentenzahl. Diese One-Shots sind vergleichbar mit klickgeilen Artikeln. Eine gesunde Nutzer/Zuschauer-Basis sieht anders aus.

Der EINE Messwert

Die ideale Zukunft wäre natürlich, dass gute Inhalte im Web auch ihren verdienten Lohn bekommen. Heißt: Der Werberertrag müsste steigen, je länger ein Leser mit einem Artikel oder Story verbringt. Doch ist der Fokus auf die reine Zeit der richtige Ansatz? Geht es nach Buzzfeed-Chef John Perreti, dann nicht. Er sagte in einem Interview, dass wenn man sich zu sehr auf einen einzigen Messwert fokussiert, man schnell das Gegenteil erreicht. Das wird an einem Beispiel deutlich:

Messwert: Klicks
Umsetzung: Webseiten fangen an, Leute zum Klicken zu animieren.
Ergebnis: Besucher klicken mehr
Folge: Hohe Absprungrate + klickgeile Webseiten, die die User mit allen Mitteln zu sich locken wollen.

Wie ihr seht, führte die einseitige Konzentration zu zahlreichen Negativfolgen. Dieses Modell kann man u.a. auch mit Faktoren wie Zeit etc. durchspielen.

Wo geht die Reise hin?

Sicherlich wird sich zeitnah erstmal Nichts in diesem Sektor tun. Schließlich ist es auch nicht so einfach, den Faktor “Zeit” so einfach zu messen. Ebenso werden soziale Netzwerke weiter an ihrer Mitgliederzahl gemessen werden, ganz egal wie künstlich aufgebläht diese auch sind.

Ich würde mir wünschen, dass mehr Seiten dem Beispiel von Buzzfeed, Medium & Co. folgen und so den notwendigen Wandel im Web anstoßen. Denn wie Eingangs bereits gesagt: Klicks sagen nichts über die Qualität des Beitrags aus. Sie sind nur eine Zahl, die man beliebig manipulieren kann. In diesem Sinne: Fick die Klicks!

Wie siehst du dieses Thema? Ich freu mich über deine Meinung in den Kommentaren! Falls dir der Artikel gefällt, teile ihn doch gern mit deinen Freunden.

Personal / YouTube

Ein Tag im Rollstuhl – Ein Selbstexperiment

Laufen ist etwas, dass für viele Menschen selbstverständlich ist. Die nächste Bahn fällt aus? Kein Problem, dann läuft man die zwei Haltestellen eben. Doch wie gestaltet sich der Alltag für Menschen, die im Rollstuhl sitzen? Dank meiner YouTube-Tätigkeit durfte ich innerhalb eines Experimentes einen Tag lang genau dieser Erfahrung machen. Wie sich das gestaltet hat, erfahrt ihr in den nächsten Zeilen.

Das Experiment

Genau genommen lief das Experiment an einem Samstag ab. Das Wetter war sehr schlecht. 2 Grad, Regen. Ein Tag, an dem man am liebsten im Bett bleiben möchte. Ich traf mich mit dem Team von Sendertime, einem YouTube-Kanal, auf dem im Rahmen des Formates “Adventure Time” außergewöhnliche Challenges und Aufgaben absolviert & gefilmt werden.

Neben mir nahm noch Oguz von Y-Titty die Herausforderung an. Unser Coach war Jan, der selbst mit einer halbseitigen Spastik behindert und auf einer Schule ist, bei der z.B. der Sportunterricht im Rollstuhl absolviert wird.

Die Aufgabe lautete: Von Köln bis zum Schloss Brühl mit öffentlichen Verkehrsmitteln kommen (35km), ohne die Beine zu benutzen und dabei auch noch drei Aufgaben zu erfüllen. Im Detail: Geld am Bankautomaten abheben, Donuts aus dem obersten Regalfach eines Backdiscounts kaufen und in einem öffentlichen Gebäude aufs Klo “gehen”.

Ich möchte wenig von der Sendertime-Challenge inhaltlich spoilern, da gestern erst Folge 1 / 3 erschien, aber: Die Erfahrungen an diesem Tag haben mich schockiert.

Tücken des Alltags

Was für uns vollkommen normal ist, wird durch den Rollstuhl extrem kompliziert. In die Bahn-Linie 16 am Barbarossa-Platz einsteigen? Unmöglich. Schließlich kann man mit einem Rollstuhl keine Treppenstufen hochfahren. Mit über 80 Kilogramm ist die Option “Sich-Von-Anderen-Tragen-Lassen” auch keine wirkliche Möglichkeit.

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Also hieß es: Zur nächsten Haltestelle fahren. Diese wurde mir auf der von Raul Krauthausen entwickelten Wheelmap – einer Karte, über die man rollstuhlgerechte Orte suchen und finden kann – als grün und somit rollstuhlfreundlich gekennzeichnet. Was ich unterschätzte: Die 800 Meter “Rollweg” zwischen den Haltestellen waren ein Alptraum. Der abschüssige Gehweg zwang mich dazu, die ganze Zeit mit dem rechten Arm gegen die Rollbewegung zu arbeiten. Schon nach kurzer Zeit verließen mich die Kräfte.

Bordsteine und schlechtes Wetter

Durch den Regen war es zudem verdammt nasskalt, die Handschuhe, die ich mir mit weiser Voraussicht eingepackt hatte, konnte ich nicht nutzen, da ich so keinen Grip hatte und beim Anschieben der Räder abrutschte.

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Auch für uns lächerlich niedrig aussehende Bordsteine sind für Rollstuhlfahrer eine Qual. Man benötigt Kraft und genügend Schwung, über eine Ampel zu kommen. Einmal steckte ich bei einem Straßenbahnübergang zwischen den Schienen fest. Einmal in einer Pfütze.

Meine Wut wuchs von Mal zu Mal mehr an und meine Laune verschlechterte sich extrem. In vier Stunden musste ich mir fünf Mal helfen lassen, da ich es ohne fremde Hilfe nicht geschafft hätte. Diese Situationen fühlten sich für mich extrem schlimm an, da ich eigentlich ein sehr selbstständiger Mensch bin und am liebsten alles alleine mache. Auch mein geschätztes Smartphone inklusive tausender von virtuellen “Freunden” half mir in diesen Fällen überhaupt nicht.

Mensch 2. Klasse!

Mein Tagesfazit: Als Rollstuhlfahrer kam ich mir an diesem Tag wie ein Mensch 2.Klasse vor. Klar, man kommt irgendwie von A nach B. Aber selbst in so einer großer Stadt wie Köln wird dir das Leben unnötig kompliziert gemacht. Überall lauern Gefahren, Blockaden und Hindernisse, die der laufende Mensch niemals als solche sehen wird. Deshalb habe ich seitdem noch viel viel größeren Respekt vor den Menschen im Rollstuhl und ich kann nur an jeden einzelnen mit gesunden Beinen daran appellieren, dankbar für diese Freiheit zu sein und behinderten Menschen in misslichen Lagen direkt zu helfen.

Ein Zusatz noch: Die Rollstühle selbst waren “Billig-Modelle” und Jan hat mir erzählt, dass es weitaus bessere gibt, die alltagstauglicher sind. So haben diese z.B. einen Kippschutz, um eben nicht, wie bei mir, nach hinten umkippen zu können. Dadurch sind manche Situationen, die ich erlebt habe, mit einem Profi-Modell weitaus entspannter. Auch sind geübte Rollstuhlfahrer tausend Mal geschickter, als ich es als Anfänger war. Dennoch zeigt das Experiment einfach, wie wichtig es ist, behinderte Menschen in unsere Gesellschaft richtig zu inkludieren. So könnte man dann auch einen Rollstuhllift der deutschen Bahn vermeiden, der nur Montags – Freitags von 8 – 18 Uhr geöffnet hat…

Hier seht ihr, wie ich mich in der ersten Folge geschlagen habe. Die restlichen zwei kommen jeweils Freitag um 16 Uhr auf Sendertime. Ich empfehle euch an der Stelle den Kanal “SoBehindert” von Jan, schaut dort definitiv mal vorbei!

(Falls das Video mobil entsprechend angezeigt wird, bitte hier klicken.)

Personal

Neustart des Blogs oder auch: 2014, ein Selbstfindungstrip

Ich gebe zu: Dieser Blog lag lange Zeit still. Der letzte Beitrag erschien am 24. Januar 2014 und entstand in einer für mich sehr komischen Phase. Ich hatte Google als Arbeitgeber den Rücken gekehrt. Für alle, die neu auf diesem Blog sind, gibt es die ganze Geschichte hier nochmal zum Nachlesen.

Mit diesem Artikel hier möchte ich den Neustart des Blogs einleiten und ihn nutzen, um das vergangene Jahr 2014 nochmal für mich – und wenn ihr mögt auch für euch – Revue passieren zu lassen.

Selbstfindungsphase nach Google

Google war für mich immer das Non plus ultra in Sachen Arbeit gewesen. Frei nach dem Motto: “Wenn man dort ist, will man nie wieder weg”. Das Ziel für Google zu arbeiten war für mich ein Kindheitstraum, den ich mir Mitte 2013 erfüllen durfte. Doch als ich das Kapitel für mich beendete, hieß es: Was jetzt? Wo will ich eigentlich hin?

Hallo große YouTube-Welt

In dieser neuen Selbstfindungsphase Anfang 2014 zog ich von Hamburg zurück zu Frau und Hund nach Köln, wo ich zuvor bereits 5 Jahre gewohnt hatte. Dort fing ich an, für Mediakraft Networks zu arbeiten. Für die, die es nicht kennen: Das Ganze ist auf gutdeutsch ein YouTube Netzwerk und in seiner Funktion am ehesten mit einem Plattenlabel für Musiker vergleichbar – nur eben mit Video Produzenten. Eine zeitlich überschneidende Job-Anfrage von Instagram lehnte ich ab, da ich genug vom amerikanischen Arbeitssystem hatte.

Bei Mediakraft arbeitete ich zunächst als Social Media Editor. Während dieser Phase konnte ich mich neben der Arbeit voll auf meinen YouTube Kanal konzentrieren, auf dem ich wöchentlich kuriose News kommentiere. Innerhalb des Jahres wuchs die Abonnentenzahl auf bis zuletzt 87.000 an, was mich enorm freut. Auch Instagram (über 10.000 Follower) und Twitter (über 7.000) sind über die Zeit konstant gewachsen. Auf Google+ hatte ich aufgrund meiner Erfahrungen mit Google sämtliche Aktivitäten vorerst eingestellt. Doch warum die Zahlen mittlerweile zweitrangig für mich, dazu später mehr.

2014 = Durststrecke

Doch so richtig wußte ich immer noch nicht, wo die Reise für mich hingehen soll. Im Bereich Social Media / Viralität hatte ich zuletzt 2013 nach meinem erfolgreichen Google+ Buch, einem dreibeinigen Einhorn oder mit dem tausendfach gelesenen Artikel “Deutschland, du langweilige Social Media Wüste” die letzten Erfolge gefeiert. In der ersten Hälfte 2014 war ich diesbezüglich abgetaucht. Warum, weiß ich heute nicht mehr. Vielleicht, weil der Kopf nicht frei genug war.

Zur Jahresmitte hin wechselte ich durch einen Zufall die Abteilung und war nun mehr als Netzwerkchef für die Informationssparte im Bereich Programm tätig, heißt: Ideen und Konzepte für neue YouTube-Projekte entwerfen. Das ist auch bis jetzt der Status Quo meiner beruflichen Laufbahn und wird auch zukünftig so bleiben.

Reise nach Japan

Für mich wohl eine DER entscheidendsten Erfahrungen 2014 war die Reise nach Tokio, Japan. Seit ich klein bin, wollte ich diese Reise antreten. Dank des neuen Jobs war es mir im August endlich erstmals möglich und ich bin nach wie vor verdammt dankbar dafür. In Japan selbst hatte ich die Zeit mir über vieles Gedanken zu machen.

Ich hatte immer die Vorstellung gehabt, dass hier doch alles anders sein müsse. Weil andere Kultur. Andere Religion. Andere Werte. Doch obwohl ich gute 9.000 Kilometer Luftlinie von meinem Zuhause entfernt war, wirkte hier alles im Kern gleich. Die Menschen waren hier genau so glücklich oder traurig wie wir in Deutschland. Nur gehen die Japaner viel ruhiger und sachlicher die Probleme an. Das gefiel mir. Auch im größten Stress behielten sie die Ruhe und vertrauten auf ihre Stärken. Mit diesen neuen Insights ging es alsbald schon zurück in die Heimat.

Falsche Investition & Zurück zum Anfang

Durch die veränderte Jobposition konnte ich auch wieder – wie in der Zeit vor Google – die ein oder andere Konferenz besuchen und ich war so u.a. bei den Medientagen München und beim Journalistentag NRW zum Thema YouTube auf der Bühne.

Ich investierte weiterhin viel Zeit in meinen YouTube-Kanal. Weil das Feedback enorm war. Plötzlich sprachen mich Menschen auf der Straße an. Oder im Bowlingcenter. Auf den VideoDays 2014 schrieb ich viele Autogramme und ich würde lügen wenn ich sage, dass mir das nicht gefallen hat bzw. immer noch gefällt. Doch was hier schnell passiert ist, dass man diesem Zustand zuviel Aufmerksamkeit schenkt. Durch einen gut laufenden YouTube-Kanal hat man plötzlich viele “Fans”. Aber was man dabei nicht vergessen darf: Diese sind oftmals sehr jung und folgen der Masse. Was jetzt funktioniert, kann in drei Monaten schon wieder vorbei sein. Beständigkeit sieht anders aus. Deshalb sollte man allgemein Follower- oder Abonnentenzahlen nicht zu verbissen sehen oder – wie manch Negativfall – sich zu viel darauf einbilden. Denn man stelle sich vor, das Internet bliebe für ein halbes Jahr aus: Manche Menschen hätten dadurch Nichts mehr im Leben. Was die Aufzählung meiner eigenen Follower-Zahlen von Oben ebenfalls relativiert.

Was 2014 deshalb komplett auf der Strecke blieb, war das Zentrum meines digitalen Ichs. Dieser Blog hier. Der hatte mir sämtliche Türen der vergangenen Jahre geöffnet. Statt dem Schreiben und dem Veröffentlichen meiner Gedanken in Artikelform waren es die über 100 Videos, die ich auf meinen YouTube-Kanal packte.

Doch so soll es jetzt, wo die Vision klar ist, nicht weitergehen. Zurück zum Anfang lautet das Motto.

Zukunft des Blogs

Diesen Blog habe ich damals mit dem Themenschwerpunkt Google+ gestartet. Das wird sich ab sofort grundlegend ändern und ich werde mich hier mit den Themen Social Networks, Journalismus, YouTube und allen anderen Themen auseinandersetzen, die mir über den Weg laufen. Es gibt da sehr viele spannende Aspekte die mir von den Medien persönlich nicht differenziert betrachtet oder mit dem üblichen Marketing-Blabla-Gewäsch verfälscht werden.

Wichtig ist mir hierbei, dass ich euch meine persönliche Meinung mit auf den Weg gebe und wir so vielleicht eine gesunde Diskussionsgrundlage schaffen können.

Ich freue mich auf dieses Jahr und bin gespannt, welche Überraschungen 2015 so auf mich warten werden.


P.S. Vielen Dank an meine bessere Hälfte, die mich und meine Launen das letzte Jahr über ertragen durfte und mir immer mit einem guten Rat zur Seite stand.