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7 Dinge, die ich durch 100.000 YouTube Abonnenten gelernt habe

philippsteuer_gelernt

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Es ist schon verrückt. Anfang Mai habe ich mit meinem YouTube-Kanal die 100.000 Abonnenten-Marke durchbrochen. Auf YouTube ist das der erste Meilenstein, der von der Plattform mit einem silbernen Play-Button hinter Glas gewürdigt wird. Dies war mein persönliches Ziel einer Reise gewesen, die im August 2013 startete. Eine Reise, die mir viele spannende Ansichten in eine mir bis dato unbekannte Welt brachte. Und genau von dieser Reise möchte ich in den nachfolgenden Zahlen berichten und meine wichtigsten Erkenntnisse für euch offenlegen.

Zunächst vorweg: Ich sehe mich nicht als YouTuber. Ich finde die Plattform einfach spannend und wollte wissen, was funktioniert und was nicht. Denn viele sogenannte „Experten“ reden wie selbstverständlich darüber, ohne es selbst ausprobiert zu haben oder Erfolge vorweisen zu können.

Meine Ausgangslage

Meine Ausgangslage damals war denkbar einfach: Ich hatte keine Ahnung davon, wie man einen erfolgreichen YouTube Kanal startet. Ich wusste nicht, wie lang ein Video sein muss. Welchen Titel man wählt. Wie man das Thumbnail gestaltet. Was die Zuschauerbindung ist.

Ich entschied mich für den Bereich „News“, weil ich mich durch mein Online-Redakteur Studium am besten mit dem Inhalt identifizieren konnte. Das ist wirklich ein extrem wichtiger Punkt, um auf YouTube erfolgreich zu werden: Glaubwürdigkeit. Wie sich auch über die Zeit zeigen sollte.

Die ersten Videos

Über mein erstes richtiges Video kann ich heute herzhaft lachen. Ich hatte nur eine HD-Webcam, um Ton und Bild aufzuzeichen. Kein Wunder also, dass die ersten Videos eine dementsprechend schlechte Qualität hatten. Auch meine Darstellung war zu schüchtern und man merkte mir die Unsicherheit an.

Dennoch veröffentlichte ich jeden Mittwoch meine „News der Woche“ und rüstete mein Equipment nach wenigen Videos auf, indem ich auf Spiegelreflex-Kamera und Richtmikrofon sowie Tageslichleuchten umstieg.

Etappensieg, Fall und Bergerklimmung

Relativ schnell stieg die Anzahl meiner Klicks und Abonnenten an, da ich immer weiter an meinen Videos arbeitete und sehr viel mit meiner Community kommunizierte. Zahlentechnisch profitiere ich damals auch vom Netzwerkeffekt eines großen deutschen YouTube Netzwerkes, dem ich mich angeschlossen hatte. Damals konnte ein „Daumen hoch“ eines größeren YouTubers auf meine Videos wahre Wunder bewirken, denn alle seine Abonnenten sahen dies in ihrer Timeline. Doch YouTube tötete diese Funktion vor mehr als einem Jahr.

Die Zahlen stagnierten zeitweise und ich versuchte alles, um den Kanal voranzubringen. Ich kürzte die Videos. Ich setzte auf 08/15-Content für die junge Zielgruppe. Aber so richtig nach oben gingen die Zahlen nicht mehr und meine eigene Person wurde immer weniger Teil der Videos. Ich hatte mich irgendwann selbst wegoptimiert.

Bis ich wieder zu mir fand, die Zahlen ignorierte und einfach meine Gedanken wieder in die Videos brachte. Die Videos wurden auch wieder länger und genau dieser inhaltliche Umschwung führte letztendlich dazu, dass mein Kanal mehr Sichtweite auf YouTube bekam und wieder anfing, schnell zu wachsen.

Was ich daraus gelernt habe

Nachdem du jetzt weißt, wie sich alles bei mir entwickelt hat, möchte ich dir meine Erkenntnisse nicht weiter vorenthalten. Durch +100.000 Abonnenten, 6,4 Millionen Views und 137 Videos habe ich Folgendes gelernt:

  1. Glaubwürdigkeit gewinnt.
  2. Glaubwürdigkeit ist wichtig. Natürlich hätte ich auch einen Beauty-Kanal aufmachen und mir dank zahlreicher Produktplatzierungen einen schönen Abend machen können. Aber das fehlende Interesse an diesem Themengebiet wäre mir irgendwann zum Verhängnis geworden. Klar, manche faken diese „Echtheit“ auch bewusst. Aber alles, was der Zuschauer als authentisch empfindet, gewinnt.

  3. Du wirst nicht reich
  4. Es steht ja immer die Frage im Raum, wie viel Geld man mit YouTube verdienen und ob man davon leben kann. Lasst es mich so ausdrücken: Ich konnte diesen Monat bisher über 700.000 Klicks auf meine Videos verzeichnen und könnte Stand jetzt knapp die Hälfte meiner Miete bezahlen. Der Anteil derer, die davon leben können, ist gering. Für alle Interessierten: In diesem Artikel gebe ich weitere Einblicke.

  5. Deine Hauptzielgruppe sind junge Menschen
  6. Ein hoher Anteil an Nutzern ist noch sehr jung und unter 16 Jahre alt. So ist es nicht verwunderlich, dass vor allem Themen wie Schule, Liebe und Beauty auf YouTube ziehen. Auch wenn meine Zielgruppe älter ist: Es gibt nur wenige YouTuber, die durch ernste und schwere Inhalte erfolgreich geworden sind.

  7. Berühmtheit ist limitiert
  8. Etwas skurril ist die Tatsache, dass ich mittlerweile auf der Straße erkannt werde und Autogramme geben oder Selfies machen darf. Das hat auch mit dem Umstand zu tun, dass Köln die „YouTube-Hauptstadt“ Deutschlands ist und hier zahlreiche große Netzwerke sowie YouTuber tätig sind. Auch auf entsprechenden Conventions (Gamescom, Dokomi o.ä.) werde ich erkannt, weil die Zielgruppe (jung, Schüler) auch dort anwesend ist. Aber: Der Eindruck täuscht. Bis auf die genannten Situationen und Umstände ist die YouTube-Berühmtheit in anderen Teilen Deutschlands bedeutungslos und zeitlich limitiert.

  9. Kaum Chancen für Newcomer
  10. Was mich persönlich richtig an YouTube wurmt, ist die Tatsache, dass es immer schwerer für Newcomer wird, neue Menschen für sich zu begeistern. Damit deine Videos bei anderen Kanälen in der Seite vorgeschlagen werden oder du im Bereich der angesagten Videos auftauchst, musst du eine gewisse Reichweite mitbringen. Und die wiederum bekommst du entweder nur, wenn du extrem lange wartest oder aber deinen Kanal durch die Zusammenarbeit mit anderen YouTubern pushen lässt. Aber für lohne Kollaborationen musst du auch wieder eine gewisse Reichweite mitbringen.

  11. Trend weg von Netzwerken
  12. Für mich persönlich geht der Trend immer mehr hin zum „freien“ Videoblogger und weg vom eingestaubten und mainstreamigen Netzwerk. Während die Multi Channel Networks damals und heute noch gerade so den ein oder anderen Vorteil für den einzelnen Videokünstler bieten, wird die Notwendigkeit der Netzwerke immer geringer. Mit steigendem Alter und Marktetingverstand werden sich schon bald sämtliche große YouTuber selbst vermarkten können.

  13. YouTube hat das Monopol
  14. Natürlich gibt es neben YouTube mittlerweile andere Plattformen, auf denen du dir Videos ansehen kannst. Aber sind wir doch ehrlich: Ein ernsthafter Gegner sind sie nicht. Ich wünsche mir endlich mal einen Player, der Stück für Stück die Marktführerposition von YouTube untergräbt, damit die Damen und Herren zum Handeln gezwungen sind. Facebook verzeichnet zwar immer mehr Videoaufrufe, die sind aber zum Teil sehr beschönigt und zum anderen soll es auch in der nächsten Zeit erst mal keine Monetarisierung geben, sodass die Plattform auch weiterhin für Videokünstler weitestgehend uninteressant bleibt.

    YouTube gestaltet weiterhin die Regeln. 45 Prozent der Werbeeinnahmen bleiben bei Google. YouTube bestimmt durch seine Algorithmen, welche Kanäle wachsen dürfen. Durch einen gleichwertigen Gegner – wie es Facebook sein könnte – wäre YouTube endlich zum Handeln gezwungen. Und das täte der ganzen Szene sehr sehr gut.

tl;dr

Durch meine 1 1/2 Jahre als „YouTuber“ und ehemaliger Program Network Manager eines großen YouTube-Netzwerkes konnte ich sehr viele Erfahrungen und Eindrücke sammeln. Die ganze Szene ist in den letzten Jahren enorm gewachsen und immer mehr Unternehmen versuchen auf den Zug aufzuspringen. Ich selbst sehe mich nach wie vor nicht als YouTuber und bin froh, finanziell nicht von Google abhängig zu sein. Schauen wir mal, wo die Reise hingeht. Ich experimentiere weiter.

Philipp Steuer
Philipp Steuer
Hey, mein Name ist Philipp Steuer. Ich liebe gute Geschichten, Social Media und neue Technologien. Erfahre hier mehr über mich oder besuch mich auf Twitter I Snapchat I Youtube oder Facebook+.