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Google+ ist nicht tot!

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Ich habe lange überlegt, ob ich mich noch mal zu diesem Thema äußern soll. Doch nachdem ich nach meiner einjährigen Google+ Pause vor zwei Wochen wieder auf dem Netzwerk zurückgekehrt bin und es seitdem einige Nachfragen von immer noch aktiven und von mir geschätzten Nutzern gibt, möchte ich in diesem Beitrag ein paar Antworten liefern und den Status Quo von Google+ definieren.

Eine Enttäuschung

Was viele interessiert ist die Frage, warum ich nach meinem Weggang bei Google auch zeitnah sämtliche Google+ Aktivitäten eingestellt habe. Direkt vorweg: Das war eine freiwillige Entscheidung von mir und nicht etwa die Folge einer – wie manche vermuteten – unschönen Trennung.

Mein Hiatus ergab sich aus dem Gefühl großer Enttäuschung. Ich ging als großer Google+ Enthusiast zu Google. Ich wollte etwas verändern. Doch ich musste feststellen, dass Google ein – Überraschung – sehr sehr technikorientiertes Unternehmen ist, bei dem die Komponente „social“ nur teilweise verstanden wird.

Das wurde z.B. deutlich, als Google+ ein Muss für jeden wurde, der YouTube nutzen und dort kommentieren wollte. Menschen lassen sich ungern etwas aufzwingen. Und wenn doch, dann mit einem bitteren Nachgeschmack.

All die Besonderheiten von Google, wie z.B. das Autorenbild in der Google Suche, wurden am Ende wieder gekippt. Der Weggang von Ex-Google+ Papa Vic Gundotra war für mich dann DAS endgültige Zeichen, dass der Kurs intern geändert wird. Vic war für mich die einzige Person innerhalb der Mauern, die das Netzwerk zum Durchbruch verhelfen hätte können. Hätte hätte hätte. Ein gutes Bild über die Situation gibt auch Ex-Google+Designer Chris Messina, den ich in vielen Punkten verstehen kann.

So ist es nicht verwunderlich, dass ich bei meiner Google+ Rückkehr schnell feststellen durfte, dass sich wenig an Google+ geändert hat. Für ein Unternehmen, das den Weltraum erobern will, keine gute Leistung.

Google kann nicht Social

Die Frage ist: Wieso geht es mit Google+ nicht voran? Meine Antwort: Google kann kein social. Das haben sie noch nie gekonnt, was auch überhaupt nicht schlimm ist, da man im technischen Bereich Branchenprimus ist. Es ist so ein bisschen vergleichbar wie ein Roboter, dem man versucht, Emotionen beizubringen. Das klappt sicher irgendwie, aber eben nicht zu 100 Prozent authentisch.

Google+ ist in meinen Augen zu spät gestartet und man ist so zwischen die Fronten von Facebook, Twitter und Instagram geraten. Alle Konkurrenzplattformen werden deutlich aktiver genutzt.

Woran liegt es? Nun, nach wie vor fehlt der Grund für die Masse, Google+ zu nutzen. Es gibt keine Funktion, die Millionen Menschen dazu bewegen würde, wirklich dauerhaft aktiv auf der Plattform zu bleiben.

Fotos? Instagram. Videos? YouTube. News? Twitter. Freunde? Facebook.

Oh, was ist mit Hangouts? Stimmt. Guter Punkt. Aber: Die jüngere Generation klebt aktuell auf der Live-Stream-Plattform YouNow. Die ist zwar extrem hässlich und bietet in keinster Weise die wunderschönen Hangout-Funktionen, aber: Sämtliche großen YouTuber nutzen sie und locken so die Fans an. Hangouts hingegen sind bei den Videomachern komplett vom Tisch.

Somit bleibt kein USP mehr für Google+ übrig. Zudem scheint auch der Trend vom Omni-Netzwerk eher weg und hin zur Ein-Service-Plattform zu gehen.

Google+ ist nicht tot!

Und dennoch lautet meine Antwort auf die – teilweise – gehässige Frage von Freunden, ob Google+ endlich tot sei nach wie vor Nein! StudiVZ ist tot, ja! Aber Google+ lebt immer noch und zahlreiche User posten weiterhin täglich Beiträge. Eine Seite ist erst tot, wenn sie keiner mehr nutzt. Und das ist bei Google+ nicht der Fall.

Deshalb empfehle ich auch Bekannten nach wie vor, das Netzwerk für sich auszuprobieren und den ganzen Spekulationen kein Gehör zu schenken. Wenn es dort gleich gesinnte und interessante Menschen gibt, mit denen man super schreiben und diskutieren kann, dann macht Google+ definitiv Sinn und es ist definitiv keine verschenkte Zeit. Gleiches gilt für Unternehmen, die sich die platte Frage stellen, ob sich Google+ wirklich lohnt. Wenn eine Kundenbasis da ist, die auf Google+ mit der eigenen Marke in Kontakt treten möchte, dann wäre man als Unternehmen blöd, dieses Potential nicht zu nutzen.

Schauen wir in die Zauberkugel, dann ist es fraglich, ob Google+ noch jahrelang bestehen wird. Google ist bekannt dafür, schlecht laufende Produkte von heute auf morgen einzustellen. Ich für meinen Teil möchte Google+ aufgrund meiner persönlichen Erfahrungen definitiv nicht missen wollen und freue mich auf weitere spannende Zeiten.

P.S. Mein +1 Tattoo habe ich noch. Und bin stolz darauf.

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Philipp Steuer
Philipp Steuer
Hey, heiße Philipp Steuer und ich liebe Social Media. Egal ob YouTube, Snapchat oder Twitter - ich bringe Unternehmen dorthin, wo die Aufmerksamkeit ist. Erfahre hier mehr über mich oder besuch mich auf Twitter I Snapchat I Youtube oder Facebook+.
  • Hi Phillip, schönes Thema, dass Du da aufmachst. Ich würde dazu gern eine zweite Perspektive beisteuern: Wir nutzen Google+ weniger als Social Media Schleuder und vielmehr als Kooperations-Plattform. Der wesentliche Nutzen liegt für uns also nicht darin, auf Google+ viele Leser, Likes oder Follower zum Vermarkten unserer Dienstleitungen, Produkte und Katzenfotos zu bekommen. Dazu sind unserer Erfahrung nach andere Plattformen besser geeignet. Der wichtigste Pluspunkt ist für uns der Mix und die Verzahnung der Google(+) Anwendungen untereinander. Zum Beispiel nutzen wir geschlossene Communities zum Austausch in unserem Netzwerk und für die Koordination und Abstimmung unserer Projekte, Veranstaltungsseiten um Hangouts, Thementalks, Webinare, Vorträge oder Meetups zu planen, die automatisch im Google Kalender angezeigt werden und Drive um gemeinsam an Dokumenten zu arbeiten. Vorteilhaft ist auch, dass sich viele Leute, zumindest in unseren Kreisen, auf Google+ eher fachlich präsentieren. Demnach wäre man bei Facebook vorrangig privat, auf Xing vorrangig geschäftlich und bei Google+ irgendwo dazwischen unterwegs 😉

  • Adler12

    Was Mirko Eckhardt da aufführt ist genau der Punk, der G+ von anderen Foren wie z.B.FB unterscheidet.
    Ich persönlich möchte nicht mit Spielewerbung zugespammt werden. Das was ich brauche bietet mir Google. Die Verzahnung ist auch für mich ein wichtiges Argument. Ich poste nicht jeden Tag. Wenn mich etwas interessiert teile ich es. Und 360 Leute die mitlesen sind für mich viel.

  • Trotz meiner sehr zahlreichen Beiträge und Kommentare würde ich diesen nicht nachtrauern, wenn Google+ von heute auf morgen dicht gemacht werden würde. Zwar kommentiere ich viel bei anderen Nutzern, aber andere Nutzer kaum bei mir. Und obwohl ich auch jeden Eintrag meines Blogs dort veröffentliche, kommen trotz 173 Followern von Google+ weniger Nutzer auf mein Blog als von Twitter, dass ich erst seit November 2014 nutze mit lediglich 7 Followern.

    Mit einem solchen Schritt würde Google das realisieren, zu was ich mich nicht entscheiden kann.

  • Hans mit der Gans

    So schlecht läuft G+ gar nicht. Hatte Mitte 2014 ca. 550 Mio. aktive Nutzer ! Tendenz ist stark steigend. So weit mein Kenntnisstand. (bitte korrigieren, falls ich irgendetwas nicht mitbekommen habe !)
    Ich nutze G+ mittlerweile lieber als FB und Twitter. Nicht zuletzt, weil ich dort irgendwie leichter zu politischen Diskussionen komme und Leute kennen lerne, die meine Meinung teilen. Auch einige Features finde ich besser umgesetzt.

    (Mein persönlicher Eindruck.) 🙂

  • Robert Lang

    Google+ sollte gar nicht versuchen noch ein FB zu werden! Social kann es nur durch seine Nutzer werden und ich mag, dass ich meine Posts auch noch korrigieren kann, nachdem sie abgeschickt wurden! FB kann mit Skype gegen Hangout bestehen und der Messenger schließt Beine weitere Lücke. Twitter zwingt dagegen den Nutzer sich kurz zu halten…. Mein Fazit: die Usergemeinschaft, die Community macht den Unterschied. G+ wirkt „zivilisierter“ auf mich als der rauhere Umgangston bei FB und beschränkt mich längst nicht so wie Twitter. Wer nutzt denn noch ICQ? ☺

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  • Tali Thenhart

    Hallo Philipp,
    entschuldige bitte aber du bist ein Jahr weg kommst dann wieder und verfasst dann so einen Artikel?
    Also nicht falsch verstehen: ich schätze dich, hab sogar dein Buch zuhause stehen. Aber zu schreiben “Google+ lebt immer noch!“ Geht gar nich finde ich. Über diese Diskussionen ob Google+ lebt sind wir lang hinweg. Dieses Netzwerk ist definitiv angekommen. Hans mit der Gans hat Recht. Google+ ist halb so groß wie FB. Es hat sich hier wahnsinnig viel getan, man findet unendlich viele interessante Menschen UND: ich werde von immer mehr Freunden geaddet. JA! Menschen aus Deutschland. Das zeigt ganz klar auf, dass es für die Leute immer interessanter wird, zu G+ zu kommen. Hier wird weder FB noch Twitter imitiert und auch wenn du nach Vics weggang einen Stillstand zu sehen scheinst: es kann auch bedeuten, dass das Niveau dieser Plattform hier einfach von Anfang an ziemlich hoch war und das es durch zahlreiche Neuerungen in der Vergangenheit noch besser wurde. Deswegen muss man doch auch nicht ständig alles komplett umkrempeln wenn es passt? Einen Status Quo sehe ich trotzdem nicht, da im Hintergrund immer etwas am noch besseren Handling gefeilt wird. Mirko Eckhardt hat Recht wenn er sagt dass Google irgendwo zwischen FB und Xing liegt. Es ist etwas ganz eigenes. Gogle+ scheint mir auch um einiges zivilisierter als der blau-weiße Riese, da stimme ich mit Robert Lang überein.
    Also lieber Philipp ich hoffe, du verschwindest nicht wieder ein Jahr von der Bildfläche. Denn Google+ lebt durch jeden einzelnen von uns.
    Ich fühle mich auf G+ sehr wohl und kann es jedem nur empfehlen!
    Viele Grüße
    Tali

  • Marco Grassmann

    Zum diskutieren ist Google + das beste Netzwerk. Leider muss ich es ein wenig einschränken, da einige Kommentare nicht mehr das Niveau haben, dass ich gewohnt bin. Ich glaube, es hat viel mit der Ukrainekrise zu tun. Google + hat einen besonderen Vorteil, den mir kein anderes Netzwerk bietet. Ich kann genau auswählen, wer meine Beiträge lesen kann.