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Langweiliges YouTube – Warum der Einheitsbrei regiert

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So oder so ähnlich lässt sich die aktuelle Situation von YouTube Deutschland in meinen Augen beschreiben. Schon seit einigen Monaten hat sich das Videoangebot festgefahren, sodass du jeden Tag die gleichen Genres bewundern kannst / darfst / musst.

Um das festzustellen, reicht ein Blick auf die „YouTube Startseite“. Dort findet man die gerade beliebtesten Videos. Mit einem Klick kommt man zur offiziellen Playlist mit dem Namen „Jetzt gerade beliebt – Deutschland„, die laut Beschreibung folgenden Content enthält: „Hier kannst du erfahren, welche Inhalte auf YouTube derzeit besonders beliebt sind. – Deutschland“.

Als ich die Seite vor einer Woche aufrief, sah die Top 15 der „derzeit beliebten Inhalte“ wie folgt aus:

Let’s Play. Let’s Play. Vlog. Comedy. Let’s Play. Kommentierte News. Let’s Play. Vlog. Vlog. Vlog. Let’s Play. Fakten. Let’s Play. Vlog. Let’s Play.

Ab und zu sind hier auch ein paar Ausreißer dabei, aber die Top-Liste wird immer von Let’s Plays und Vlogs dominiert, ab und zu mischt sich ein Comedy-Video dazwischen. Doch wieso ist das so?

Die Macht der Let’s Plays

Let’s Play bezeichnet das Vorführen und Kommentieren des Spielens eines Computerspiels. So lautet die offizielle Definition des Genres bei Wikipedia. Heißt in der Praxis: Millionen von Menschen filmen sich dabei, wie sie ein x-beliebiges Videospiel spielen. Der weltweit größte „YouTuber“ PewDiePie erreicht damit monatlich rund 34 Millionen Abonnenten.

YouTube liebt Let’s Plays ebenfalls und bevorzugt diesen Videoinhalt, denn: Das Hauptziel der Plattform ist es, den Zuschauer so lange wie möglich bei sich zu halten. Je mehr Minuten er auf YouTube verbringt, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass er mehr Videos anklickt und so eben auch mehr Werbung sieht. Das Werbegeschäft lohnt sich für Google-Tochter YouTube extrem, im deutschen Raum streicht man alleine 45 Prozent aller Werbeeinnahmen ein.

So verwundert es nicht, dass Let’s Plays mit einer durchschnittlichen Videolänge von +10 Minuten dadurch gegenüber Comedy-Videos im Vorteil sind und dementsprechend eher von YouTube vorgeschlagen werden.

Zudem haben Let’s Plays den Vorteil für die Videomacher, diese relativ „schnell“ produzieren zu können. Aus einer Stunde Gaming kann man im Idealfall drei Folgen schneiden. Durch diese Entwicklung haben manche erfolgreiche Videomacher ihren eigentlichen Kanal hingeschmissen und stattdessen einen Let’s Play Kanal gestartet. Allein in Deutschland verdienen die führenden Kanäle so bis zu 50.000 Euro im Monat brutto. Okay, davon müssen noch die Steuern etc. abgezogen werden.

Vlog: Einblicke ins Leben anderer

Neben den Let’s Plays haben sich Vlogs Stück für Stück nach oben gekämpft und sind aus der aktuellen YouTube-Landschaft kaum noch wegzudenken. Vlogs sind „einfache“ Videos, meist aus der Hand gefilmt, in denen der Protagonist über sein Leben erzählt. Das kann mitunter spannend sein, meistens ist es aber eher „leichte“ Kost. Auch hier gibt es ähnlich wie bei den Let’s Plays wieder Topverdiener mit mehr als 1.5 Millionen Abonnenten und +22 Millionen Aufrufen pro Monat.

Was die Vlogs so populär macht ist die Tatsache, dass sich der Zuschauer seinem „Star“ sehr nah und teilweise auch als beste Freundin / bester Freund fühlt. Nicht verwunderlich, schließlich erfährt man teilweise fast jeden Tag, was den Menschen dort auf YouTube so bewegt, was er macht und wo er hin will. Das Vorhaben, sich die Haare zu färben, kann so ganz schnell einen Hype auslösen.

Einige Netzwerke haben den Trend Vlogs bereits seit Längerem erkannt und züchten sich Retortentuber. Die werden nach typischen Bobyband/Girlband-Kritierien ausgewählt, durch bestehende und inhaltlich passende Kanäle geschliffen, um die Person als Marke möglichst schnell hochzuziehen. Mit Erfolg: Der Zuschauer merkt es nicht und empfindet den neuen Mitspieler als Freund der bestehenden Clique, statt als bewusstes Marketingvorhaben.

Comedy, News und Beautyroutinen

Neben den beiden großen Genres gibt es natürlich noch weitere, in denen jedoch nur vereinzelt wirklich Einzelkünstler/gruppen hervorstechen. Auch der ganze Beautysektor ist für junge Mädchen sehr sehr spannend. Jedes Mal, wenn ich meine Eltern besuche, spreche ich mit meiner 14 jährigen Schwester darüber. Sie liebt es, anderen Mädchen beim Schminken zuzusehen UND – dieser Punkt deckt sich mit der Attraktivität der Vlogs – mehr über das Leben der sich schminkenden Person zu erfahren.

Eine Entwicklung in die falsche Richtung

Zum jetzigen Zeitpunkt sehe ich die inhaltliche Entwicklung auf YouTube Deutschland kritisch. Die neue Generation richtet sich – teilweise geblendet vom Erfolg der Vorbilder – zu sehr an den vorgegebenen Content, ohne sich wirklich an neuen Inhalten zu versuchen. Das ist auch irgendwo verständlich, schließlich kann man so schon mal das Große Ungewissen ausschließen und sich an Bewährten versuchen.

Dieser Artikel soll auch keine Kritik an den produzierenden Personen sein. Da ich selbst in dem Bereich arbeite, weiß ich, wie viel Aufwand und Arbeit in einem einzigen Video stecken kann. Auch haben viele der heute großen Videomacher bereits vor Jahren damit angefangen und es freut mich, dass sich die Arbeit jetzt für sie auszahlt.

Drei Wünsche für die Zukunft

Für die Zukunft hätte ich drei Wünsche, die in meinen Augen YouTube gut tun würden:

Von YouTube wünsche ich mir, dass sie die Algorithmen anpassen um so – neben den bewährten Großen – neuen und vielleicht sogar noch unbekannten Video-Produzenten eine Chance zu geben. Das wiederum würde die Szene sicherlich ankurbeln.

Von den Videomachern wünsche ich mir, dass sie mehr Mut haben, neue Formate und Ideen zu testen, auch wenn die Community nach fünf Sekunden schreit, dass damals definitiv alles besser war und man sich bitte niemals verändern möge.

Von den Zuschauern wünsche ich mir mehr Geduld bei Veränderungen und mehr Lust auf neue Inhalte. Und vor allem: Weniger „Früher-War-Alles-Besser“-Denke.

Sollten sich diese Wünsche irgendwann erfüllen, hätte ich für meinen Teil wieder richtig Spaß daran, neue Inhalte und Talente auf YouTube zu entdecken. Hoffentlich bleibt es kein Wunschdenken.

Philipp Steuer
Philipp Steuer
Hey, heiße Philipp Steuer und ich liebe Social Media. Egal ob YouTube, Snapchat oder Twitter - ich bringe Unternehmen dorthin, wo die Aufmerksamkeit ist. Erfahre hier mehr über mich oder besuch mich auf Twitter I Snapchat I Youtube oder Facebook+.