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Warum ich nicht mehr für Google arbeite

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Es mag für einige Leute überraschend klingen, aber ich habe meinem Arbeitgeber Google den Rücken gekehrt. Ich, der Typ mit dem +1 Tatoo auf dem rechten Handgelenk. Manch einer wird sich fragen: Wieso verlässt man den mehrfach ausgezeichneten „besten Arbeitgeber der Welt?“. Die Antwort möchte ich in den nachfolgenden Zeilen geben.

Der Anfang

Wer mich kennt, weiß, dass ich ein großer Google Enthusiast bin. Seit ich 15 bin, habe ich ein Google Mail Konto und ich kenne fast nur noch die Welt (ich bin 23), in der man Fragen via Google Suche beantwortet. Irgendwann kam dann das Android Smartphone dazu und mit Google+ veröffentlichte man 2011 ein soziales Netzwerk, das mich direkt in seinen Bann zog. Es folgten unzählige Tutorials, Infografiken und  ein erfolgreiches Google+ Buch von meiner Seite.

Der Weg zu Google

Gute 2 1/2 Jahre später eröffnete sich mir die Chance dann, das Ufer zu wechseln – im beruflichen Sinne. Ich bewarb mich als Google+ Community Manager in Googles Hamburger Deutschlandzentrale und bekam den Job. Ein Traum wurde wahr für mich, weil ich abschlusstechnisch nur ein ganz normales Abitur + Studium habe, was rein vom Namen her ziemlich gegen die Zertifikate mancher Cambridge und Harvard Kollegen abstinkt. Der nette Beigeschmack war, dass ich damit endlich den mysteriösen Studenten X der Fachhochschule Köln ablöste, der als bisher einziger des Bachelor Studiengangs Online-Redakteur den Sprung zum großen G schaffte.

Ich kündigte meinen tollen Job bei Pixum und wollte zunächst auf ein halbes Jahr Bewährung schauen, wie sich die Sache in Hamburg entwickelte. Der Abschied aus Köln fiel mir nämlich schwerer als gedacht, zu sehr hatte mich die schönste Stadt am Rhein in den fünf Jahren zuvor in den Bann gezogen. Obendrauf kamen noch meine Freundin inklusive eigener Wohnung, einer Hundewelpendame, zwei Katzen plus etlicher guter Freunde, die mich nicht begleiten konnten. „Mal eben so“ ist mit Mitte 20 eben nicht mehr drin. Die einzige verbliebene Alternative hieß somit „Pendeln“ – jeden Montag früh um 7:01 Uhr los aus Köln mit dem Zug und Freitag Nachmittag um 16:51 Uhr zurück. Summiert also mindestens acht Stunden pro Woche (+Verspätungen), die ich in einem muffigen Abteil des Hamburg Köln Express (weil günstig) verbringen durfte. Aber gut, was tut man nicht alles für den eigenen Traum. In Hamburg selbst wohnte ich in einer 20-qm-Wohnung mit separater Küche und einer phänomenalen Lage direkt am Alsterufer.

Google, der Arbeitgeber

Soweit zu den äußeren Begebenheiten. Was den Job angeht: Als Arbeitgeber tut Google alles für dich, damit es dir während eines Arbeitstages an nichts fehlt. Beginnend bei der großartigen Google Kantine, die mehr einem Restaurant eines 5 Sterne Hotels gleicht. Jeden Tag Frühstück plus Mittagessen von exzellenten Köchen mit einer großen Auswahl, auch für Vegetarier und Veganer. Neben der großen Kantine findet man auf jeder der fünf Google Etagen mehrere Microkitchens – also kleine Küchen – wo es Snacks, Süßkram und diverse Softdrinks gibt. Natürlich auch alles inklusive. Und wer viel isst und Bewegung sucht, findet sie im 5. Stock im eigenen Fitnessstudio inklusive Fitnesstrainer. Ebenfalls für lau.

Nach dieser kurzen Beschreibung wird sich der ein oder andere jetzt noch mehr fragen, wieso ich dennoch nicht weiter für Google arbeite. Die Begründung ist einfach.

Die Probleme mit der Struktur

Ich bin eine Person, die sehr kreativ arbeitet. Ich habe viele Ideen, die ich gerne direkt umsetzen möchte. In einem derart großen Unternehmen wie Google ist das jedoch nicht möglich. Die Phrase „mal eben machen“ existiert im Google-Universum schon lange nicht mehr. Feste Abläufe, Strukturen, Herangehensweisen und weitere Automatismen garantieren den weltweiten und verdienten Erfolg.

Neben dieser Tatsache brauche ich ein festes Team an Kollegen in meiner Nähe, mit denen man komplette Projekte realisieren kann, Stichwort „kurze Wege“. Auch das ist in einem Weltkonzern voller genialer Köpfe, die an unterschiedlichen Orten auf dieser Welt sitzen, schwierig, denn trotz aller „Verrücktheit“ muss die Befehlskette eingehalten werden. So kann sich eine Idee, die man früh auf dem Weg zur Arbeit im Bus bekommt, schnell über mehrere Wochen hinziehen, bis sie diskutiert wird. Und das ist für mich einfach ein Ideenkiller.

Zusätzlich kam zu diesen beruflichen „Einschränkungen“ auch noch die private Komponente erschwerend hinzu. In Hamburg kannte ich zwar ein paar sehr nette Menschen, aber mit dem Kopf war ich immer in Köln. Als Außenstehender könnte man sagen: „Ja gut, aber Köln und Hamburg liegen doch nur vier Stunden auseinander“. Das stimmt, aber ohne Witz: Wöchentliches Pendeln über Hunderte Kilometer macht einen verdammt müde und platt, denn man ist nirgends so richtig zu Hause.

Auch mein Blog und meine Präsens auf Google+ haben unter der Zeit durchaus gelitten. Ich vergleiche das gerne mit einem Bäcker: Wenn du den ganzen Tag in der Backstube stehst und Brötchen backst, wirst du unter Umständen abends zu Hause keine Lust mehr haben, noch ein paar Artikel über Brotteig zu schreiben.

Deshalb musste ich eine Entscheidung treffen, als sich das Jahr dem Ende hin zu neigte. Auf der einen Seite standen das Weltunternehmen und die extrem gute Bezahlung. Auf der anderen die Freude, das Private und das Herz. Glücklicherweise bot sich relativ schnell eine neue berufliche Herausforderung in Köln, die ich gerne annahm und bei der ich ebenfalls mit einem Google-Produkt arbeite (für die Interessierten: Die neue Stelle findet man auf meinem XING-Profil).

Ich freue mich extrem auf alles, was dieses Jahr 2014 noch kommen wird. Ich hab wieder mehr Zeit für Freunde, Familie und vor allem um eigene Projekte voranzubringen und um Social Media in Deutschland zu revolutionieren, denn Deutschland ist für mich nach wie vor eine langweilige Social Media Wüste!

TL:DR

Was bleibt am Ende? Google war eine extrem unglaubliche Erfahrung, die ich niemals bereuen werde. So ein Weltkonzern mag zwar unflexible Strukturen haben, aber dort trifft man viele Menschen mit Visionen, die einen gerne mal mit der Zukunft konfrontieren (Google Glass, Google Chromecast). Außerdem habe ich gelernt, etwas Struktur in meinen wirren Kopf zu bringen.

Ich werde die netten Kollegen vermissen. Das gute Essen. Die Einhörner und die Flüsse voller Honig und Milch. Okay, der letzte Punkt war gelogen. Aber was ich für mich in dieser Zeit gelernt habe: Arbeit ist wichtig, aber kein Garant für Glückseligkeit. Es muss nicht der beste Arbeitgeber der Welt sein, um mit einem Lächeln aufzuwachen :)!

Philipp Steuer
Philipp Steuer
Hey, heiße Philipp Steuer und ich liebe Social Media. Egal ob YouTube, Snapchat oder Twitter - ich bringe Unternehmen dorthin, wo die Aufmerksamkeit ist. Erfahre hier mehr über mich oder besuch mich auf Twitter I Snapchat I Youtube oder Facebook+.
  • Da hast du ja ein bischen Weisheit hinzu gewonnen. Glückwunsch!

  • Isabel Jauernig

    Chapeau! 🙂

  • StephanR

    Hallo Philipp,

    vielen Dank für diese sehr interessanten Einsichten. Mir gefällt es gut, wie Du deine Situation und deine Bedürfnisse analysiert hast, und darauf hin eine klare Entscheidung getroffen hast.

    Da ich mich u.a. beruflich auch mit Organisationsentwicklung beschäftige, habe ich in Deinen Schilderungen einige Muster wiedererkannt.

    Sicherlich geht von der Marke Google eine gewisse Faszination aus. Was aber waren die Bewertungskriterien, die Google die Auszeichnungen als „bester Arbeitgeber der Welt“ eingebracht haben? Kann man so etwas überhaupt messen?

    Deinen Schilderungen entnehme ich, dass auch Google hierarchische Strukturen mit einem trägen und bürokratischen Top-Down-Management hat. Einige wenige, privilegierte Manager steuern und lenken alles per Command-and-Control. Die theoretischen Grundlagen dieses Management-Ansatzes gehen weit zurück in das Jahr 1911 und basieren auf den Ideen von Frederick Winslow Taylor. Für die massen-produzierende Industrie des 20. Jahrhunderts waren solche Strukturen ja auch OK.

    Im heutigen Komplexitätszeitalter versagt der Taylorismus. Die Wechselwirkungen, Abhängigkeiten und Vernetzungen erreichen in großen Projekten und Organisationen mittlerweile ein Maß, der von einer Gruppe von Managern gar nicht mehr überblickt werden kann. Insbesondere dort, wo kreativ gearbeitet wird und „Wissensarbeiter“ innovativ sein sollen (z.B. Softwareentwicklung), funktioniert das nicht. Einfache Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge gibt es nicht mehr. Die Dynamik des Marktes verlangt aber ein schnelles Reagieren auf sich ändernde Rahmenbedingungen und neue Anforderungen. Neue Produktideen müssen ad hoc umgesetzt werden, sonst ist man weg vom Fenster und ein anderer verdient das Geld. Das gelingt aber nur, indem man auch die passenden Strukturen zur Zusammenarbeit schafft, die es ermöglichen, mit dieser Dynamik angemessen umzugehen und auf das Unvorhersehbare zu reagieren. Ex-Google-CEO Eric Schmidt hat ja sogar vor wenigen Tagen eingeräumt, auf das Social-Network-Phänomen auch zu spät reagiert zu haben.

    Eine gute Kantine, ein Fitnessstudio, oder der obligatorische Kickerfußballtisch sind vielleicht ganz nett, können aber den Frust, der durch schlechte und unpassende Organisationsstrukturen hervorgerufen wird, nicht kompensieren.

  • Sebastian Kurt

    Habe ähnliches mit München und nem job dort erlebt. Jetzt bin ich glücklich in Berlin zurück. War eine der besten Entscheidungen seit langem! Viel Erfolg und Glück dir

  • Christian Neuwerth

    Hi Philipp,

    wunderte mich damals auch nicht schlecht, als ich von deiner Entscheidung las. „Bester Arbeitgeber der Welt war Google“ dich aus meiner Sicht aber (nachdem ich deine Zeilen gelesen habe) offensichtlich nicht. Pendeln ist definitiv kein Vergnügen. Ich hoffe, ich bin schnell genug, dich hiermit offiziell zum Kölsch oder Wasser einzuladen und hoffe du hast in QI/II Zeit dafür! 😉

    Würde mich freuen!

    Liebe Grüße aus Köln

    Christian @Neuwerth

  • Hi,
    schade, dass du hingeschmissen hast und es wäre schon recht interessant, wenn du weiter gemacht hättest. Natürlich kann ich die Entscheidung nachvollziehen und dabei ist mir auch bewusst, dass Arbeit nicht alles ist und um glücklich zu sein, zählen auch noch andere Werte.

  • jke

    Sicher ist das Leben zu kurz für schlechte Entscheidungen, aber die Bürokratie und die Dienstwege gibt es leider in vielen Firmen. Dass man sich bewusst gegen eine lukrative Stelle und für mehr Lebensqualität entscheidet, finde ich aber gut. Bist ja noch jung – andere merken das erst später.

  • Ingrid

    Schön hast Du das geschrieben. Um Deine Erfahrung bei Google beneide ich Dich, was die Behandlung der MA angeht. Was die Strukturen betrifft, hast Du schon alles gesagt.
    Es sieht aus, als wärst Du gerade in Plauderlaune, deshalb frage ich gleich mal frisch von der Leber weg: Wo geht’s denn jetzt hin? Köln ist auf jeden Fall der richtige Platz für Dich. Ich wünsche Dir alles Gute und viel Spass am neuen Arbeitsplatz. Dein Blog bleibt unter Beobachtung. 😉

  • Thomas Lückerath

    Man könnte den Blogpost aber auch mit den Worten zusammenfassen: „Ich habe vorher nicht wirklich drüber nachgedacht“. Dass in einem großen Konzern nicht alle gleich nach der Pfeife eines Anfängers tanzen, dass es längere Entscheidungswege gibt und das Pendeln zwischen Hamburg und Köln anstrengend sein könnte – das kann man wissen ohne erst dort gearbeitet zu haben. Nach wenigen Monaten hinzuschmeißen, dazu das Seufzen über die anstrengenden Umstellungen durch einen neuen Job… mit so wenig Einsatz lässt sich die Welt eben nicht verändern. Oder ein Job durchziehen.

    • Genau, wer einen Job annimmt, muss ihn auch durchziehen bis er Tod ist. (Wieder etwas aus dem Internet gelernt.) Am besten Fragen alle dich, wenn es um die Lebenserfahrung geht. Wenn er die Chance nicht ergriffen hätte, dann hätte er nie die (guten) Erfahrungen bei Google sammeln können.

    • JMK

      was ein Glück, dass Sie mit Anfang 20 schon so schlau waren. Viel befremdlicher erscheint mir diese Ergebenhiet gegenüber Google. Ein +1-Tattoo? Ernsthaft? Die Apple Aufkleber auf den diversen Automobilen sind schon Ausdruck der eigenen Peinlichkeit, aber ein Tattoo?

      • Kathrin Kammann

        Er hatte eine Wette verloren.

    • Philipp Steuer

      Hi Thomas, ich bin überrascht dich hier auf meinem Blog zu finden. Was die Bezeichnung “Anfänger” betrifft, bin ich anderer Meinung. Wenn du aufgrund deines Fachwissens in ein Team geholt wirst, um Dinge zu verändern, sich dann aber herausstellt, dass dies aber aufgrund der Struktur nicht möglich ist – würdest du dann wirklich weiter mit dem Kopf nach Vorne gegen eine Wand rennen? Ich glaube kaum.

      Wenn du Zeit und Lust hast, lass uns einen Kaffee trinken gehen. Dann können wir gerne nochmal über die Punkte “Welt verändern” und “Job durchziehen” reden, ich würde mich freuen.

      • Hallo Philipp,

        ich habe genau das gemacht, was Thomas aufführt: In einem Großkonzern vom Anfänger zum Experten werden, lange Entscheidungswege akzeptieren und durchhalten. Fast 20 Jahre lang. Bequem, gut bezahlt, selten überarbeitet und … nie wirklich richtig zufrieden. Ich habe innerhalb des Konzernes alle paar Jahre den Job gewechselt, weil ich dachte, in der jeweils neu entstehenden Abteilungen meine Ideen einbringen zu können.

        Vergiss es.

        Du bist jung, voller Energie und Ideen, dein Vorteil ist vielleicht auch ‚Ungeduld‘, was (minderbegabte) Führungskräfte als Nachteil sehen, statt es zu nutzen.

        Erstaunlich ist, dass ich ein Bild von Google hatte, dass zwar strukturiert, aber mit offenen Türen versehen war. Natürlich kann ich deinen Blick nicht verallgemeinern.

        Aber er passt in das (mein) zentralistische Bild anderer US-Unternehmen, die in Deutschland zwar Büros haben, aber keine Entscheider. Schauen wir uns nur das Filter-Chaos bei Yelp oder die ewige Impressums-Diskussion bei Facebook an.

        Vielleicht macht es sogar Sinn für Dich, über ein eigenes Unternehmen nachzudenken. Jetzt, wo du noch nicht so versaut bist wie wir alten Säcke 😉

        Ein Knaller-Jahr mit Grüßen aus Berlin wünscht Dir

        – Hans

    • Dieter Petereit

      Sehr gutes Fazit

  • Lorenz Graef

    Hi Philipp,
    nachvollziehbare Entscheidung 🙂
    „Geh‘ wohin Dein Herz Dich trägt“ – habe beim Miterleben vieler Karrierewege immer wieder gefunden, dass dieses Motto stimmt.
    Und Recht hast Du: Deutschland ist eine Social Media Wüste.
    Ich freue mich, dass Du zurück in Köln bist und komm‘ uns mal am STARTPLATZ besuchen. Wir brauchen Leute, die Social Media leben.

  • Philipp, ich wünsch dir viel Erfolg an deinem neuen Arbeitsplatz in Köln. Und wie sagte Konfuzius so schön: „Suche dir einen Job, den du liebst, und du musst nie wieder arbeiten“

  • rogerpfaff

    Die Bemerkung <> macht mich irgendwie traurig. Das ist gerade mal ein Drittel des Lebens. Auf der anderen Seite ist es dann wieder lustig, das jemand, der sich in seinem Leben mit so festen Strukturen ausgestattet hat wie du, dann bei seinem Arbeitgeber so wenig mit den Strukturen zurechtkommt. Ansonsten kenne ich aber deine Beschreibung von Google aus anderen Meinungen von Freunden, die auch schon bei Google waren und wieder gegangen sind. Viel Glück noch.

    • André Wendt

      Dieser Satz hat mich auch stutzig gemacht. Wie soll das erst werden, wenn an einem Umzug das Suchen eines neuen Kita-Platzes und eine Umschulung dranhängen?

  • Schade das es so kommen musste.

    Ich freue mich wieder auf mehr Blogposts von dir 🙂

  • Ich wünsche dir viel Glück und das die neue Stelle, die erhofften Freiräume eröffnet, die du dir wünschst.

  • Hey,

    zum Einen natürlich kann ich deine Entscheidung verstehen. Ich habe ähnliches durchgemacht und bin vom kleinen Oldenburg inst große Stuttgart gegangen, nur um dann festzustellen, dass mein kleines Oldenburg mir lieber ist. Und die Leute hier leider auch.

    Dennoch unterstelle ich dir dieselbe Naivität, die mich auch geritten hat, einen doch ziemlich umfangreichen, regionalen Wechsel durchzuführen, nur weil der Job (und die Kohle, die man dabei abgreift) ziemlich geil sein könnte.

    Wirklich nachvollziehen kann ich aber nicht, wie du dir deinen Job bei Google vorgestellt hast: Für mich ist klar, dass Google nur deshalb so „reibungslos“ funktioniert, gerade WEIL es diese starren Strukturen gibt. Google ist ein Internet-Industrieunternehmen, was absolut nicht abwertend gemeint ist aber eigentlich hättest du damit rechnen müssen, dass man in einem Unternehmen in der Größenordnung einfach nichts einfach so bewegen kann.

    Dafür sind Startups oder eben 20-Mann-Betriebe wesentlich besser geeignet, weswegen ich auch nirgendwo anders arbeiten will. Das Arbeitsklima in den kleineren „Butzen“ ist vielleicht mitunter rauer, gerade weil der Cheffe halt nur ne Tür entfernt sitzt aber dafür kann man eben auch durch diese Tür latschen und Vorschläge direkt einbringen.

  • Das Stichwort heisst: Work Life Balance

    • StephanR

      …und genau diesen Begriff halte ich für absoluten Schwachsinn. Als würde Arbeit nicht zum Leben dazugehören.

      Wenn man liebt, was man tut, gibt’s nichts auszubalancieren.

      • Danny Liebmann

        Da sprichst du ja genau den Punkt an. Er konnte sich nicht verwirklichen im Job also zählt es auch nicht zu dem „Life“-Ausgleich.

        Job lieben ist das eine: Aber Job ist Job … das ist selten bis gar nicht Freizeit. Daher findet die Work Life Balance hier und auch generell durch aus Ansatz. 😉

        • StephanR

          Nein, der richtige Begriff wäre Work-Life-Integration.

          Der Begriff Work-Life-Balance impliziert, dass Arbeit und Leben verschiedene Dinge sind, die, weil anscheinend per se unvereinbar, irgendwie ausbalanciert werden müssten. Mit anderen Worten: das gute, lebenswerte Leben findet außerhalb der Arbeit statt. Das ist völliger Schwachsinn.

          • Danny Liebmann

            Rein vom Begriff Arbeit Leben hast du absolut recht. Aber darum gehts nicht. Das Modell ist eher als solches zu verstehen: „Was tue ich für mich“ und „Was tue ich für andere“

            Da ist die Arbeit (auch bei Selbständigen) schon was anderes. 😉
            http://de.wikipedia.org/wiki/Work-Life-Balance

  • Nicole Mank

    Aaaach – verdammt – wieder ein Google-Kontakt weniger – und getroffen haben wir uns in HH auch nicht – was ist da schief gelaufen? 😛

    Ich drück dir die Daumen für dein „next level“, man sieht sich!

  • Robert Stögmann

    Ich finde es dennoch immer wieder schade, dass der Bildungsgrad so dementsprechend wichtig ist. Wie es scheint, warst du eine Ausnahme.

    Ich betreibe beispielsweise einen der erfolgreichsten Blogs/Magazine in Österreich und habe damals die höhere Schule abgebrochen. Kenne genügend Blogger, die nen Titel haben, aber mir in punkto Blogging keineswegs das Wasser reichen können. Egal ob SEO, Online Marketing oder Content an sich.

    Dennoch würde solch ein Mitarbeiter den Job viel eher bekommen, nehme ich mal an. Liest man zumindest immer wieder. Auch bei deinem Artikel erhascht man diese Informationen.

    Alles gute dir und danke für die tollen Zeilen. 🙂

  • Tibor Barsony

    Es liegt nicht an anderen darüber zu urteilen. Der Schritt ist allemal mutig und verdient zumindest dafür Anerkennung. Ich wünsche Dir jedenfalls viel Erfolg und einen erfüllten Werdegang (wie man so schön sagt).

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  • Bin zwar immer der Meinung, dass man einem neuem Arbeitgebern genauso die Chance geben sollte wie andersrum. Auf der anderen Seite, wenn es nicht passt und man sich nicht wohl fühlt, dann ist das einfach so. Die Frage ist ja immer, ob man im nächsten Unternehmen glücklicher wird oder vom Regen in die Traufe kommt.Am Ende bleibt dann nur noch der Weg in die Selbstständigkeit. Dann kann man zwar alles selbst entscheiden, muss sich aber selbst um die Brötchen kümmern. 🙂

  • Ich habe großen Respekt vor Deiner Entscheidung – nur die wenigsten für den „super-trendy-beliebten-hochbezahlten(?)“ Job bei Google aufgeben und sich eingestehen, dass es nicht das Richtige für sie ist.

    Jeder, der sich hier im Blog in den Kommentaren – oder auch bei Google+ – anmaßt, Deine Entscheidung zu kritiseren, sollte nicht vergessen, dass Du für Dein Leben verantwortlich bist und niemand anderes.

  • Romy Stein

    Mit den letzten beiden Sätzen, schreibst du ein wahres Wort! Daran sollten wir alle immer wieder denken.
    Ich wünsche dir nur das Beste für die Zukunft in Köln und vielleicht führen unsere Wege / Projekte mal wieder zusammen 🙂

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  • Tobias Burkhardt

    Hallo Philipp, ob du das vorher hättest wissen müssen (wie soll ein Anfänger das wissen?), spielt eigentlich keine Rolle: Ich finde deine Entscheidung vor allem mutig. ich glaube nicht viele Menschen hätten den Mumm gehabt, einen namhaften Arbeitgeber und eine gute Bezahlung sofort wieder in den Wind zu schießen. Respekt! Außerdem machst du in deinem Artikel nicht gerade einen unglücklichen Eindruck. Die Zukunft wartet auf Dich! Falls Du in Zukunft auch die Lust verspüren solltest, als Bäcker nicht nur über Brotteig zu schreiben, sondern zur Abwechslung auch über das Thema dieses Posts, also Arbeit, Leben und Selbstverwirklichung, bist du herzlich eingeladen auf JOBS TO BE mitzuwirken. Ich würde mich sehr freuen.
    Viele Grüße, Tobias

  • Hallo Philipp, ich habe es erst jetzt gesehen das dich dein unermüdlicher Sturm- und Tatendrang wieder zurück in die Heimat manövriert hat. Mir gefällt dein Beitrag sehr denn Du beschreibst durchaus die Realität so wie diese nun mal ist. Wir alle können froh sein das es in Deutschland noch Mittelständler und Betriebe gibt wo Inhaber und Entscheidungsträger noch in Fleisch und Blut mit der Mannschaft zusammen sitzen, gemeinsam arbeiten und verantwortungsvoll entscheiden. Von daher ist dein Schritt nachvollziehbar.
    Google ist ein einzigartiges globales Unternehmen welches eine Sonderstellung durch die Dominanz in der Internetwelt/Suche hat. Diese Alleinstellungsmerkmale und die „neue“ Strategische Ausrichtung in x Richtungen die seit ca. 2-3 Jahren durchgezogen wird machen Google zwar zu einem interessanten aber auch sehr speziellen Arbeitgeber, insbesondere für kreative Köpfe die gewohnt sind im Team eigenverantwortlich zu arbeiten. Hoffentlich reift bei Google irgendwann die Erkenntnis das „da draußen“ Menschen die Dienste nutzen und Mitarbeiter/Geschäftspartner durchaus auch soziale Wesen sind und keine Maschinen. In diesem Sinne wünsche ich dir und auch Google weiterhin viel Platz auf der Erfolgsspur bzw. der linken Seite der digitalen Autobahn:)

  • Hey Phillip – laß dir nix einreden und bleib bei Deinem eigenen Ding.
    Ansonsten @Hans Steup : volle Zustimmung von einem Kanzlei-SEO

  • Danny Liebmann

    Hi Phillipp,

    ich finde deine Entscheidung gut. Ein gute Bezahlung und Job sind das Eine. Aber wenn es dich nicht glücklich macht und vor allem deiner Vorstellung von Kreativität und Selbstverwirklichung entgegensteht, ist das was anderes.

    Entgegen der Kritik unten: Man kann es auch anders herum sehen. So einen Job auszuschlagen, zu kündigen und sich für eine persönliche Sache einzusetzen bedarf äußerst viel Mut. Bleib dran, deine Entscheidung hat meine Hochachtung…. wer erteilt Google schon eine Absage? 😉

    lg danny

  • Sam

    Man sollte immer seinem Herzen folgen! Hut aber für die Entscheidung – das würde nicht jeder machen.. 🙂