Warum Snapchat so erfolgreich ist und 2016 alles zerstören wird

Philipp SteuerBlog, Snapchat, Social Media9 Comments

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Wirft man einen Blick auf die deutsche Social Media Landschaft, so sind Twitter, Facebook und YouTube nach wie vor die am meisten angepriesenen und genutzten sozialen Netzwerke. In Amerika hat sich mit Snapchat jedoch bereits ein Schwergewicht ordentlich Platz im Ring verschafft und es ist nur eine Frage der Zeit, bis das auch hierzulande passieren wird. Wieso Snapchat so großartig ist, werde ich in den nachfolgenden Zeilen erklären.

Zahlen, Zahlen, Zahlen

Vorweg: Wir leben in einer ziemlich zahlenfixierten Welt. Alles wird anhand von Zahlen bewertet. Geht es rein danach, ist Facebook das „beste“ soziale Netzwerk, weil die Anzahl der Nutzer am größten ist. „Gute“ Youtube-Videos erkennt man an den vielen Aufrufen und die „erfolgreichsten“ Tweets sind die, die hunderte Retweets erhalten. Auf Grundlage der Zahlen nachvollziehbar – doch alles relativiert sich, wenn man diese Werte unter einem anderen Gesichtspunkt betrachtet: Aufmerksamkeit. Ein kleines Beispiel verdeutlicht meinen Ansatzpunkt.

Facebook Views sind für die Tonne

Nehmen wir ein Facebook-Video mit 20.000 Aufrufen. Klingt im ersten Moment viel. Aber wie viel sagt diese Zahl aus?

Rein technisch wird das Video automatisch gestartet, sobald wir am PC oder am Smartphone durch unseren Newsfeed scrollen. Bereits nach 3(!) Sekunden Spielzeit wird das Ganze als ein Aufruf gewertet. Wenn das Video eine Länge von 3 Minuten hat… dann sind 3 Sekunden ein Witz. Vor allem, weil ich das Ganze nicht bewusst angesehen und keine Ahnung habe, worum es in dem Video geht. Die Aufmerksamkeit ist hier gleich Null.

Snapchat: Mehr Fotos als WhatsApp

Im Gegensatz dazu steht Snapchat. Ja ich weiß, manch einer von euch wird jetzt empört die Augenbrauen heben und die Nase rümpfen. Von wegen: Ist das nicht diese unnötig gehypte App, bei der man auf kurz oder lang Penisbilder zugeschickt bekommt, die sich nach 5 Sekunden automatisch zerstören? Nein. Wobei sicherlich das ein oder andere obszöne Foto dabei sein kann, schließlich werden pro Sekunde über 8.800 Fotos innerhalb der App verschickt. Im Vergleich kann Snapchat so bereits locker mit Facebook und WhatsApp mithalten:

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Snapchat, das Aufmerksamkeitsmonster

Hinzu kommt, dass Snapchat ein echtes Aufmerksamkeitsmonster ist und in meinen Augen zu Recht derart hoch auf dem Markt bewertet. Okay, über den Märchenwert von 19 Milliarden Dollar lässt sich streiten. Aber Snapchat ist das vor allem hierzulande wohl am meisten unterschätze soziale Netzwerk.

Selbsttest: Bis zu 1.000 aktive Aufrufe

Ich habe Snapchat in den vergangenen Wochen und Monaten mal mehr, mal weniger genutzt. Dabei habe ich weniger direkte Bilder oder Nachrichten verschickt, sondern alles in meiner „Snapchat Geschichte“ gepostet. Die Geschichte ist eine Sammlung aller Bilder und Videos, die ich an einem Tag gepostet habe und die im Anschluss ohne Unterbrechung aneinandergereiht werden und so einen langen Bild/Film-Streifen ergeben.

Sobald du ein Bild / Video in der Geschichte gepostet hast, wird es allen, die dir folgen, im entsprechenden Reiter angezeigt. Sieht es sich jemand an, wird erhält es in der Statistik einen Aufruf. Das Praktisches: Jedes weitere Bild / Video, was du im Anschluss in die Geschichte packst, erhält ebenfalls eine individuelle Aufrufzahl.

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Bei meinen Tests erhielt jedes Puzzlestück meiner täglichen Geschichte zwischen 700 – 1000 Views. Bei YouTube-Sternchen wie BibisBeautyPalace sind es hingegen bis zu 300.000. Die Differenz von 299.000 schiebe ich an der Stelle mal auf meinen Bart.

(Mini-Zwischendurch-Update, 01.09,2015: Auch Sixt setzt ab sofort auf Snapchat.)

Spaß beiseite: Die Aufrufzahlen sind qualitativ extrem hochwertig, da der externe Betrachter nicht einfach zu einem neuen Bild / Video springen kann, sondern aktiv meine Geschichte anklicken und warten muss, bis das neue Puzzlestück erscheint. Oder zumindest bereits bekannte Inhalte durch das Antippen mit dem Finger überspringt.

Aus diesem Grund ist die Aufmerksamkeit bei Snapchat auch am Ende extrem hoch, weil die Follower bis zum Ende dran bleiben und den entsprechenden Inhalt konsumieren wollen. Da sind mir 20.000 Facebook-Video Aufrufe herzlichst egal.

NUTZT SNAPCHAT!

Ich kann nur jedem empfehlen, Snapchat auszutesten. Natürlich hat die App noch einige Baustellen, zum Beispiel kann man aktuell immer noch nicht anderen Personen entdecken, sondern muss deren Nutzernamen kennen und manuell eingeben. Ebenso müssen Fotos / Videos direkt in der App aufgenommen werden, ein Upload aus dem eigenen Fotoordner ist nicht möglich.

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Aber hey – darum geht es nicht. Sondern um Aufmerksamkeit. Und da Snapchat in diesem Bereich bereits jetzt schon ziemlich unschlagbar ist, gehe ich fest davon aus, dass sich die App 2016 auch vollkommen bei uns etablieren wird.

Bis es soweit ist, könnt ihr mir gern schon auf Snapchat folgen. Mein Username: philippsteuer. Ich freu mich auf euch!

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Über den Autor
Philipp Steuer

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  • anna_374

    Toller Bericht, ich nutze selber Snapchat und ich finde das die App komplett unterschätzt wird. Ich liege gerne Abends/Morgens im Bett und schaue mir ein paar Snape an das ist sau entspannend und manchmal auch unterhaltsam. PS: Ich folge dir natürlich schon 😉

  • Philip Z.

    Hi Philipp,

    ich finde Snapchat ist aktuell ein super spannendes Thema. Ich kann die Euphorie, mit der du Snapchat bewertest allerdings nur bedingt teilen. Es macht auf jeden Fall am Anfang Spaß, die App auszuprobieren, Snaps zu teilen und vor allem sich durch die Geschichten zu klicken. Aber ich finde, dass sich die Neugier relativ schnell legt und die App uninteressant wird – weil viele User eben nicht die von dir angesprochene Aufmerksamkeit bekommen können. Am Ende deines Beitrags sprichst du nämlich das eigentliche Problem der App an: Es gibt keine Möglichkeit, andere User zu entdecken, es sei denn man kennt deren Nutzernamen.

    Youtube-Stars und Blogger haben da bereits eine Community, die sie einfach informieren und dann auf einer neuen Plattform wie Snapchat begrüßen können. Wer jedoch nicht über ein Netzwerk von Usern verfügt, die man einfach für eine neue Plattform begeistern kann, ist hier erstmal ziemlich alleine. Natürlich kann man seine weiteren Profile und andere Plattformen nutzen, um seinen Nutzernamen zu verbreiten und abzufragen, wer sonst noch so Snapchat nutzt. Bewegt man sich jedoch außerhalb einer eher jungen Zielgruppe, wird das echt schwer.

    Ja, Snapchat ist extrem beliebt und wird im Sekundentakt genutzt – jedoch von einer extrem jungen Zielgruppe, die sich offline, innerhalb ihres Klassenzimmers super schnell und vielfach vernetzt und online im hoch-frequentierten Kosmos der Youtube-Stars zuhause ist. Diese jungen Nutzer haben also ebenfalls ein viel größeres Netzwerk, durch das Snapchat einen höheren Wert bekommt. Außerdem handelt es sich dabei um eine Generation, die viel unkomplizierter mit der Verbreitung privater Medien umgeht.

    Diesen Umgang finde ich grundsätzlich auch gut – sofern er bewusst geschieht (über den richtigen Umgang mit Snapchat habe ich hier schonmal geschrieben: http://netzjunge.blogspot.de/2015/07/snapchat-und-beme-braucht-kein-mensch.html). Ebenfalls finde ich es super interessant zu sehen, wie sich so eine App entwickelt und genutzt wird. Ich will mich auch nicht als alten Sack darstellen, der nicht mehr hinterher kommt. Jedoch ist es bereits mit Ende zwanzig um einiges schwerer, einen entsprechenden Hype mitzumachen oder zu verbreiten. Umso wichtiger also eine Erweiterung der App, durch die man User allgemein entdecken kann. Nur so können auch andere Nutzergruppen einen Mehrwert in Snapchat erkennen und sich die App so etablieren, wie du es voraussagst.

    PS: Mein Snapchat-Nutzername ist übrigens „netzjunge“ 😉

  • Florian D.

    bin ja mal gespannt, ob unser guter Philipp Recht behält…
    😉

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  • Nelle Harris

    Naja.. Mich interessiert eigentlich nur eine Frage über Snapchat: werden die Daten echt gelöscht?