1000 Plakate statt Facebook – Die deutsche Politik hat Social Media immer noch nicht verstanden

Philipp SteuerSocial Media12 Comments

FOTO: Achim Blazy / rponline

Ich verstehe es einfach nicht. Es ist 2017, wir sind digital vernetzt und jeder von uns hat ein Smartphone, auf dem mindestens eine der größten Social Network Apps (vermutlich Facebook, Twitter) installiert ist. Eine mega Möglichkeit für Politiker, um auf Stimmenfang zu gehen. Stattdessen sieht z.B. der Wahlkampf für die Landtagswahl 2017 in NRW aktuell so aus:

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Plakate. Verdammte Plakate überall in der Stadt verteilt, an den meist befahrenen Straßen in Köln. Klar, da kommen super viele Leute jeden Tag lang, die vor allem gegen Feierabend richtig viel Zeit haben, weil sie im Stau auf der Rheinuferstraße stehen. Das macht Sinn, weil man als angepisster Autofahrer sich dann fragt: Wer von den Damen und Herren auf den Plakaten wird mir diesen Mist in Zukunft wohl am ehesten ersparen? Plakate sind ne sichere Bank. Seit gefühlt 3000 Jahren, ganz weglassen würde ich sie auch nicht. Aber sie haben einfach ne fette Schwachstelle – ich z.B. sehe sie nur selten.

Ich bin kein Autofahrer. Ich fahre die meiste Zeit mit der Bahn oder laufe durch die Gegend. Mein Smartphone habe ich immer dabei. So wie viele andere auch und vermutlich auch ein Großteil der jüngeren Wähler (18+). Wie erreicht man die? Mit öffentlichen Auftritten? Nein. Mit Wahlplakaten? Nein. Mit einer ausgefeilten Social Media Strategie? JA!

Ein alter Mann als Vorreiter

Obama hat doch schon vor 8 Jahren gezeigt, wie stark man diese Karte spielen kann. Ebenso Bernie Sanders bei den letzten Wahlen, der trotz seinen hohen Alters bei den jungen Wählern super gut ankam, weil er Social Media verstand (oder Berater hatte, die das tun). Einem eigenen Snapchat Filter wie bei Sanders kann ich mir für die deutschen Spitzenkandidaten kaum vorstellen, am ehesten noch von Martin Schulz. Aber der tritt ja bei den „kleinen“ Wahlen nicht an, hier in NRW sind es z.B. Hannelore Kraft oder Armin Laschet. Erstere hat auf jeden Fall ein gutes Team (obwohl der Hashtag #NRWir in meinen Augen super plump ist), das sie als die Casey Neistat der deutschen Politik inszeniert, denn sie „vloggt“.

Letzteren musste ich gerade googlen.

Wer ist Armin Laschet?!

Ich meine das nicht böse, ich interessiere mich sehr wohl für Politik, aber allein die Tatsache, dass ich googlen muss, wer da noch so neben Kraft antritt, zeigt doch, wie schlecht der Wahlkampf auf digitaler Ebene geführt wird. Warum sehe ich sein Gesicht nicht als Sponsored Ad in meinem Newsfeed? Vielleicht mit nem Video, indem er in 30 Sekunden sein Programm erklärt? Von Infografiken oder anderem fancy Shit will ich gar nicht anfangen.

Ich verstehe einfach das Problem nicht. Es gibt diese mehr als starken Möglichkeiten, über Facebook & Co. Wahlkampf zu betreiben. Stattdessen ballert man die Kohle komplett für dämliche Plakate mit unfassbar leeren Worthülsen („100% Köln“) raus. Da hat selbst der aktuelle Song von Jim Pandzko mehr Inhalt. Und der wurde von Schimpansen aus dem Gelsenkirchener Zoo komponiert.

Sei’s drum. Ich werde mich wieder durch Wahl-O-Maten und schlecht optimierte Websites klicken müssen, damit ich am Ende weiß, wen es sich zu wählen lohnt.

Liebe deutsche Politiker, ganz egal auf Regional-, Landes- oder Bundesebene – stellt doch lieber 500 Plakate weniger auf und steckt ein bisschen Arbeit in eure Digitalstrategie. Danke.


Update: Die Jungs von den SM Nerds haben sich jetzt ebenfalls zu der Thematik geäußert und zeigen in ihrem Artikel, wie Parteien Facebook Ads entsprechend für den eigenen Wahlkampf richtig einsetzen können. Klare Leseempfehlung für alle, die noch ein bisschen tiefer in die Materie einsteigen wollen.

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Philipp Steuer

Philipp Steuer

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